Tokio (JAPANMARKT) – Der japanische Informationsdienst Uzabase kauft Quartz, eine US-Webseite für Wirtschaftsnachrichten. Darin zeigt sich eine neue Facette von Japans Expansion ins Ausland.

Smartphone-App NewsPicks

Der Flaggschiffdienst von Uzabase ist die Smartphone-Applikation „NewsPicks“, die aktuelle Wirtschafts- und Finanznachrichten für jüngere Berufstätige auswählt. Nach eigenen Angaben hat man in Japan 3,3 Millionen registrierte und 64.000 zahlende User. Zudem handelt Uzabase mit Finanz- und anderen Daten.

Das 2008 gegründete japanische Unternehmen betreibt auch eine englische Version von NewsPicks für die USA. Dafür arbeitet Uzabase seit dem Vorjahr mit der Nachrichtenagentur Dow Jones zusammen, die das Wall Street Journal produziert. NewsPicks USA wird künftig von Quartz in New York betrieben. Die englischsprachigen NewsPicks-Mitarbeiter wechseln zu Quartz.

Digitale Wirtschaftsnews

Quartz präsentiert seit 2012 „Wirtschaftsnachrichten für das digitale Zeitalter“ und war durch eine ungewöhnliche Mischung von Themen, Geschichten und Daten für technologieorientierte junge Angestellte vor allem in den USA rasch erfolgreich. Letztes Jahr machten die 215 Mitarbeiter von Quartz, darunter mehr als 100 Journalisten, einen Umsatz von 27,6 Millionen Dollar.

Quartz gehört zum Verlag „Atlantic Media“ von David Bradley, der sich aus Altersgründen aus dem Mediengeschäft zurückziehen will. Die Japaner wollen die Quartz-Inhalte noch in diesem Jahr zu einem kostenpflichtigen Angebot machen und mit Hilfe ihrer NewsPicks-App wohl auch Synergien erzielen.

Neues Expansionsfeld

Die Übernahme unterstreicht, dass die Auslandsexpansion von japanischen Unternehmen auch vor dem Medienbereich keinen Halt macht. Vor drei Jahren hatte der Finanzdienst Nikkei die britische „Financial Times“ für 1,3 Milliarden Dollar gekauft. Nun zahlt auch Uzabase einen stolzen Preis für ein westliches Medienprodukt.

Zum Stichtag 31. Juli erhält Atlantic Media vier Prozent der Uzabase-Aktien im Wert von 25 Millionen Dollar und 50 Millionen Dollar in bar. Abhängig von den Einnahmen von Quartz bis zum Jahresende werden weitere bis zu 35 Millionen Dollar fällig. Der gesamte Preis liegt also zwischen 75 und 110 Millionen Dollar.

Das ist nicht gerade wenig: Im Vorjahr wechselte die US-Webseite Mashable für nur 50 Millionen Dollar ihren Besitzer. Die renommierte „Washington Post“ wurde für 250 Millionen und die „Boston Globe“ für 70 Millionen Dollar verkauft. Aber Quartz scheint auf das digitale News-Zeitalter besser vorbereitet als klassische Zeitungen.

Foto: Uzabase