Tokio (JAPANMARKT) – Viele japanische Schulen schränken die individuellen Freiheiten ihrer Schülerinnen und Schüler übertrieben ein. Dagegen leistet eine neue Organisation Widerstand.

Verkehrte Haarfarbe

Im Oktober 2017 machte eine japanische Schülerin weltweite Schlagzeilen, als sie ihre Schule in der Präfektur Osaka verklagte, weil sie ihr „mentalen Stress“ bereitet habe. Die Schule hatte von dem Mädchen verlangt, seine Haare schwarz zu färben, obwohl ihre natürliche Haarfarbe braun ist. An ihrer Schule sind gefärbte Haare verboten.

Dabei ging man davon aus, dass alle Schülerinnen automatisch schwarze Haare haben. Der Widerspruch zwischen dem Färbeverbot und dem Färbebefehl wurde von der Schule ignoriert, damit alle Schülerinnen einheitlich schwarze Haare hatten. Das Mädchen wurde massiv unter Druck gesetzt und zur Strafe für schlecht gefärbte Haare auch von Aktivitäten ausgeschlossen.

Mobbing durch Schule selbst

Der Kampf vor Gericht gegen diese Art von Mobbing von Seiten der Schule wirft ein Schlaglicht auf teilweise rigorose Vorschriften an japanischen Mittel- und Oberschulen, die eine Individualisierung von Aussehen und Kleidung der Schüler verhindern sollen. Daher werden unter anderem gefärbte Haare, Make-up und gekürzte Röcke verboten.

Als Reaktion darauf gründete sich die Gruppe „Projekt zur Eliminierung von schwarzen Schulen“. Damit wurde die Bezeichnung „schwarz“, die bisher nur für Unternehmen galt, die schlecht mit ihren Mitarbeitern umgingen, erstmals auf Schulen angewandt. Die Gruppe veranstaltete im Februar eine Umfrage unter 2.000 Schülern zu überzogenen Vorschriften an ihren Schulen.

Prüfung der Rocklänge

Laut der Umfrage galten die häufigsten Vorschriften der Rocklänge, dem Haarschnitt, der Augenbrauenform, der Benutzung von Haargel und anderem Make-up sowie der Farbe der Unterwäsche. Die Beschränkungen werden damit begründet, dass die Kinder durch die Beschäftigung mit ihrem Äußeren von der Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung für die Universitäten abgelenkt werden.

Das Projekt gegen „schwarze“ Schulen richtet sich nicht gegen die Vorschriften selbst, sondern gegen das Klima von Angst und Mobbing, das sich an manchen Schulen als Folge dieser Verbote ausbreitet. So würden männliche Lehrer häufig die Rocklängen prüfen, was nicht selten sexueller Belästigung gleichkomme. Auch gebe es kollektive Bestrafungen wegen des Fehlverhaltens von Einzelnen.

Foto: Japanische Oberschülerinnen (flickr/Toshihiro Gamo CC BY-NC-ND 2.0)