Tokio (JAPANMARKT) – Japans Unternehmen erwarten im Geschäftsjahr 2018 kaum steigende Umsätze und Gewinne. Womöglich sind die Manager dabei absichtlich vorsichtig.

Geringeres Wachstum

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017, das bis Ende März dieses Jahres ging, sind die Vorsteuergewinne der japanischen Unternehmen nach Berechnungen von Nomura im Schnitt um 17,5 Prozent zum Vorjahr gestiegen. Damit gingen diese Gewinne das sechste Jahr in Folge nach oben. Doch im neuen Geschäftsjahr sagen die Unternehmen nur noch ein Plus von einem Prozent vorher. Einige Japan-Analysten erwarten sogar einen Rückgang des Gewinns, etwa UBS Japan, die mit vier Prozent Minus rechnen.

Zu den Optimisten zählt dagegen Jesper Koll, Chef des japanischen Ablegers vom Indexfondsanbieter Wisdom Tree. Der niedrige Ausblick beruhe auch auf der Unsicherheit wegen der möglichen Auswirkungen eines Handelskrieges zwischen China und den USA. Manche Manager würden zudem sehr vorsichtig kalkulieren, um später positiv überraschen zu können, meint der deutsche Japan-Stratege. Dieses Denken sei eine Folge der verbesserten Corporate Governance in den Chefetagen.

Koll hält sogar ein Gewinnplus von 15 bis 20 Prozent zum Vorjahr möglich, weil die Umsätze der Unternehmen stärker steigen würden als erwartet. Bislang belaufen sich die Prognosen im Schnitt auf ein Wachstum der Einnahmen von 2,7 Prozent. Im Vorjahr waren die Einnahmen nach seinen Angaben mit einem Plus von 7,9 Prozent fast drei Mal so schnell gestiegen.

Wechselkurs als Unsicherheit

Die Gewinnperspektive hängt auch stark davon ab, dass der Yen nicht aufwertet. Die Ertragsprognosen für 2018 basieren auf einem durchschnittlichen Wechselkurs von 105 Yen je Dollar, während die Ergebnisse des Vorjahres mit einem Kurs von 110,8 Yen je Dollar zustandegekommen waren.

Je ein Yen mehr im Wechselkurs zum Dollar erhöht den Gewinn im Schnitt um 0,8 Prozent, je ein Yen mehr schrumpft der Gewinn in dieser Größenordnung. Daher bestehen zwei Risiken für die Erträge: Erstens eine Flucht aus dem Risiko am Finanzmarkt in den Yen, der sich dabei verteuert; zweitens eine negative Überraschung bei der Geldpolitik der Bank of Japan, die eine Aufwertung auslösen könnte.

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