Tokio (JAPANMARKT) – Durch ihre Fondskäufe ist Japans Notenbank nun einer der Top Ten Anteilseigner von über 1.400 Unternehmen. Am Finanzmarkt wird dies zunehmend kritisch gesehen.

Beeinflusste Aktienkurse

Als „Wal“ im Börsenteich wird ein institutioneller Investor bezeichnet, der über solche Kaufsummen verfügt, dass damit die Kurse bewegt werden, ähnlich wie ein Wal in einem Teich mit seinen Bewegungen hohe Wellen schlägt.

Bisher galt der Government Investment Pension Fund der Regierung als einziger Wal im japanischen Aktienteich. Jedoch hat dieser Fonds, der zur Finanzierung der Volksrente in Japan dient, seine Quotenvorgabe von 25 Prozent für japanische Aktien fast erreicht – dieser Wal bewegt sich kaum noch.

Rasante Indexfondskäufe

An seine Stelle scheint die japanische Notenbank getreten zu sein. Seit Oktober 2016 wendet sie jährlich sechs Billionen Yen (46 Milliarden Euro) für den Erwerb von Indexfonds auf. Geschätzte 70 Prozent davon fließen in den breit gefassten Topix-Index mit den rund 2.000 größten notierten Aktiengesellschaften Japans.

Inzwischen stehen Aktienindexfonds für rund 25 Billionen Yen in der Bilanz der Bank of Japan. Das entspricht nach Angaben des Finanzdienstleisters „Nikkei“ bald vier Prozent der gesamten Marktkapitalisierung der ersten Sektion der Tokioter Börse. Über die Indexfonds und ihre Zusammensetzung lässt sich ermitteln, wie viele Anteile die Notenbank an einzelnen Unternehmen hält.

Aktienkäufe für mehr Inflation

Nach der „Nikkei“-Schätzung ist die Bank of Japan auch der größte Einzelaktionär der Unternehmen Tokyo Dome, Sapporo Holdings, Unitika, Nippon Sheet Glass und Aeon geworden. Durch die anhaltenden Käufe ist die Notenbank jetzt unter den zehn größten Aktionären von 1.446 notierten Gesellschaften. Ein Jahr zuvor war sie nur unter den Top Ten von 833 Unternehmen.

Die Bank of Japan will mit ihren Käufen die Aktienpreise stützen und über eine Vergrößerung der Vermögenswerte die Inflation ankurbeln. Doch die Schattenseite besteht darin, dass die Notenbank als Anteilseigner nicht in Erscheinung tritt und zum Beispiel die Unternehmen zu Innovationen und Wachstum antreibt.

Als größte Herausforderung gilt jedoch ein möglicher Ausstieg aus diesem Kaufprogramm. Nach Ansicht einiger Analysten halten sich ausländische Investoren mit Aktienkäufen in Japan bewusst zurück, weil die Aktienpreise bei einem Ende des Kaufprogramms oder einem Verkauf der Indexfonds fallen dürften.

Foto: Bank of Japan in Tokio (flickr/Tetsushi Kimura CC BY-NC-ND 2.0)