Tokio (JAPANMARKT) – Japans Frauen verlassen sich in ungewöhnlich hohem Maße auf künstliche Befruchtung, haben jedoch ungewöhnlich wenig Erfolg damit.

Unerfüllter Babywunsch

Vor 20 Jahren war es ein offenes Geheimnis, dass Kronprinz Naruhito und Kronprinzessin Masako mithilfe von künstlicher Befruchtung einen Thronfolger zeugen wollten. Aber heute scheint daraus in Japan eine Massenbewegung geworden zu sein. Denn nach Daten des Gesundheitsministeriums schafft es knapp ein Fünftel der Paare nicht, seinen Kinderwunsch zu erfüllen.

Laut der Zeitschrift „The Economist hat Japan deshalb relativ zur Bevölkerung gerechnet zwei Drittel mehr Kliniken und Arztpraxen für künstliche Befruchtung als die Vereinigten Staaten. Danach ließen sich im vergangenen Jahr fünf Prozent aller Geburten in Japan auf künstliche Befruchtung zurückzuführen. Das waren mehr als 50.000 Babys.

Anders als etwa in Deutschland werden die Kosten für künstliche Befruchtungen in Japan nicht von der öffentlichen Krankenkasse übernommen. Doch die Regierung bietet seit dem Jahr 2004 Ehepaaren Beihilfen von 150.000 Yen (1.200 Euro) für den ersten Versuch und einige Folgeversuche an, damit es mehr Nachwuchs gibt.

Ineffizientes System

Trotz des staatlichen Zuschusses arbeiten diese Befruchtungskliniken jedoch nicht besonders erfolgreich. Laut dem „Economist“-Bericht kommt es nach Aussage einer Expertin in weniger als zehn Prozent aller Befruchtungsversuche zu einer Geburt. Ein Grund dafür ist offenbar, dass in Japan ein im internationalen Vergleich hoher Anteil von Frauen über 40 auf diese Weise schwanger werden will.

Ein zweiter Grund für die niedrige Erfolgsquote könnten die bürokratischen Regelungen für das Spenden von Eiern und Samen in Japan sein. Deshalb gehen offenbar viele Japaner ins Ausland, um Spender und Ersatzmütter zu finden. Laut dem Bericht müsste der Staat die Fruchtbarkeitskliniken wohl stärker beaufsichtigen, damit es mehr Babys aus dem Reagenzglas gibt.

Foto: flickr/Jose Ignazio OrangeTree CC BY-NC 2.0