Tokio (JAPANMARKT) – Nestlé hat Japan schon früher als Experimentierfeld für neue Produkte genutzt. Nun testet man dort sogar eine Transformation des Geschäftsmodells.

Gesund essen und leben

Der Schweizer Nahrungsmittelriese will sich zu einem Gesundheitsunternehmen wandeln. Das ist das erklärte Ziel von Nestlé-Chef Mark Schneider. Nestlé Japan geht bereits erste Schritte in diese Richtung. Im März 2017 startete die japanische Tochtergesellschaft eine Online-Plattform namens „Nestle Wellness Ambassador„, um Menschen beim gesunden Essen und Leben zu unterstützen.

Jetzt hat Nestlé damit begonnen, Informationen aus Blut- und DNA-Tests seiner Kunden zu verwenden, um die Ernährungsberatung noch weiter zu personalisieren. Laut Kozo Takaoka, Chief Executive Officer von Nestlé Japan, könnte diese neue japanische Gesundheitsstrategie ein Modell für das Verhalten des gesamten Unternehmens in anderen Industrieländern sein.

Bezahlter Abo-Service

Nestlé Wellness Ambassador ist ein kostenpflichtiger Abo-Service in Japan, der bereits von mehr als 90.000 Menschen genutzt wird. Sie erhalten eine Nescafé Dolce Gusto Maschine kostenlos und verschiedene Kapseln Matcha mit Vitaminen und/oder Mineralien oder Milchkapseln mit funktionellen Zutaten. Die tägliche Einnahme hängt von den individuellen Bedürfnissen der Abonnenten ab.

Um diese Bedürfnisse zu definieren, fotografieren die Kunden ihre Mahlzeiten mit ihren Smartphones. Über eine App des Messengersdienstes LINE mit künstlicher Intelligenz werden die Nahrungsmittel auf dem Foto erkannt und die individuelle Nahrungsaufnahme berechnet. Die App gibt Empfehlungen, welche Nährstoffe benötigt werden und welche Kapseln zu verwenden sind. Die Details des Abonnements werden entsprechend angepasst.

Individualisierte Beratung

„Viele Menschen nehmen Gesundheitsprodukte und Nahrungsergänzungsmittel, ohne ihren eigenen Ernährungszustand zu verstehen. Darauf wollte ich einen genaueren Blick werfen“, sagte der CEO von Nestlé Japan, Takaoka, kürzlich in einem Interview mit der Zeitung „Yomiuri“. „Big Data zeigt uns, welche Nährstoffe die Nutzer brauchen, wenn sie auf so einfache Fragen wie ‚Wie viele Portionen Gemüse essen Sie?‘ antworten.“

Als nächsten Schritt in diesem Service vertreibt Nestlé Japan seit Ende Mai Blut- und DNA-Testkits an Abonnenten. Durch die Verwendung einer mitgelieferten Nadel oder eines Tupfers sammeln die Kunden selbst eine kleine Probe ihres Blutes oder Speichels und senden sie an ein Testlabor. Diese Proben werden verwendet, um aktuelle oder zukünftige Gesundheitsrisiken einer Person zu analysieren und Gegenstrategien zu entwickeln, die auch Ernährungsempfehlungen beinhalten.

Zusammenarbeit mit anderen Branchen

Für die Untersuchungen der Blut- und DNA-Tests arbeitet Nestlé Japan mit den beiden japanischen Start-ups Genesis Healthcare und Halmek Ventures zusammen. In Zusammenarbeit mit der französischen Versicherungsgesellschaft AXA fördert Nestlé auch den Abonnementservice für Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Nestlé Japan erwägt auch, mit Drogerien zusammenzuarbeiten und sie als Anlaufstationen zu verwenden.

Laut einem Bericht der Finanzzeitung „Nikkei“ haben führende Manager von Nestlé bereits Japan besucht, um die Initiative „Nestlé Wellness Ambassador“ zu studieren. „Wenn die Technologie so schnell voranschreitet und bestimmte Industrieländer eine rückläufige Bevölkerung sehen, ist die Gesundheitsindustrie die einzige Möglichkeit für Lebensmittelunternehmen zu überleben“, sagte Takaoka laut dem „Nikkei“-Bericht.

Foto: DNA-Testkit (Nestlé Japan)