Tokio (JAPANMARKT) – Japans Notenbank will ihre extreme Geldpolitik so lange fortsetzen, bis sie der Deflation den Garaus gemacht hat. Gouverneur Haruhiko Kuroda setzt seinen Sonderweg fort, indem er die Stellschrauben der quantitativen Lockerung justiert.

Geldpolitik bleibt auf Kurs

Der Beschluss nach zwei Tagen Beratung trägt den programmatischen Titel „Stärkung des Rahmens für eine fortgesetzte mächtige monetäre Lockerung“. Bestimmte Einlagen der Geschäftsbanken werden weiter mit einem kurzfristigen Zinssatz von minus 0,1 Prozent belegt. Jedoch wird das Volumen dieser betroffenen Einlagen künftig verringert, um die Geschäftsbanken zu entlasten.

Auch die Zielrendite für 10-jährige Staatsanleihen bleibt unverändert auf 0,0 Prozent fixiert. Allerdings will die Bank of Japan (BoJ) künftig Schwankungen dieser Rendite in einem Bereich zwischen minus 0,2 Prozent und plus 0,2 Prozent erlauben. Auf diese Weise vermeiden die Notenbanker, ständig stark in den Anleihemarkt eingreifen zu müssen. Auch dies wird ihnen schon länger vorgeworfen.

Auch bei ihrem Aktienkaufprogramm reagiert die Zentralbank auf die Kritik von professionellen Investoren. Die Kaufsumme von jährlich 6 Billionen Yen (46 Milliarden Euro) wird beibehalten, aber vermehrt in Indexfonds (ETF) auf den breit gefassten Topix-Index gelenkt. Die Abkehr vom Nikkei 225 liegt daran, dass der Erwerb von Nikkei-ETF wegen der weit geringeren Zahl an Indexmitgliedern die Preisbildung am Aktienmarkt stärker verzerrt.

Mehr Flexibilität für Notenbank

„Die japanische Notenbank hat sich mit ihren kleinen Änderungen mehr Flexibilität verschafft und enttäuscht damit die Märkte“, kommentierte Stefan Große, Japan-Spezialist der NordLB. Eine Neuerung ist seiner Meinung nach der „Zinsausblick“. Laut dieser „forward guidance“ bleiben die Zinsen in Japan noch „lange Zeit niedrig“.

Zu diesem Ausblick für die Geldpolitik passte die Senkung der Inflationsprognosen. Im laufenden Fiskaljahr (bis 31.3.19) erwarten die Währungshüter nun nur noch eine Kerninflationsrate (ohne frische Lebensmittel) von 1,1 Prozent (zuvor: 1,3 Prozent), für 2019 eine Rate von 1,5 Prozent (1,8 Prozent) und für 2020 von 1,6 Prozent (1,8 Prozent).

Damit signalisiert die Notenbank nach Einschätzung vieler Marktteilnehmer, dass sie ihre ultralockere Geldpolitik über 2020 hinaus beibehalten könnte. Die jüngsten Konjunkturdaten für Juni bestätigten die Vorsicht: Die Industrieproduktion fiel um 0,2 Prozent zum Vormonat und die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Punkte auf 2,4 Prozent.

Foto: Bank of Japan in Tokio (Wikipedia CC BY-SA 3.0)