Tokio (JAPANMARKT) – Japans Notenbank will ihre ultralockere Geldpolitik noch Jahre fortsetzen. Das stärkt den heimlichen Einfluss von japanischen Anlegern auf den weltweiten Finanzmarkt.

Höchstes Auslandsvermögen

Den Titel der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt musste Japan bereits vor acht Jahren an die Volksrepublik China abgeben. Doch bei den weltweiten Devisen-, Aktien- und Anleihekursen ist Japan über seine reine volkswirtschaftliche Größe hinaus sehr bedeutsam geblieben.

Denn Japan ist schon länger die Nation mit dem größten Nettoauslandsvermögen – also der Summe des Auslandsbesitzes von japanischen Anlegern und Investoren abzüglich ihrer ausländischen Verbindlichkeiten.

Ende 2017 betrug diese Summe 328 Billionen Yen (2,5 Billionen Euro). Das entspricht rund 60 Prozent der japanischen Wirtschaftsleistung und ist knapp ein Drittel mehr als Deutschland, die Nummer zwei weltweit beim Nettoauslandsvermögen, mit 1.929 Milliarden Euro.

Einflussfaktor Zinsen

Ein Grund sind die zahlreichen japanischen Fabriken in China, den USA und Europa und die stark gewachsene Zahl an Zukäufen und Beteiligungen an ausländischen Unternehmen. Ein zweiter Grund sind die extrem niedrigen Zinsen in Japan, die sowohl institutionelle als auch private Anleger zum Kauf von ausländischen Anleihen, Aktien und andere Vermögenswerten veranlassen.

Nach Daten des Wirtschaftsmagazins „The Economist“ wuchsen solche Vermögenswerte von 111 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2010 auf 185 Prozent im Jahr 2017. Nach Daten von J.P. Morgan besitzen Anleger aus Japan zum Beispiel fast zehn Prozent der französischen Staatsanleihen und mehr als 15 Prozent der Staatspapiere von Australien und Schweden.

Abwertung des Yen

Eine Folge dieses massiven Kapitalflusses von Japan ins Ausland ist die Abwertung der japanischen Währung: Die Anleger müssen Yen verkaufen, um Dollar, Euro und andere Währungen zu erwerben.

Das hat die japanische Devise zur am meisten unterbewerteten Währung in den entwickelten Industriestaaten gemacht – zumindest gemessen am BigMac-Index von „The Economist“, der die Kaufkraft einer Währung mit dem Preis für einen BigMac von McDonalds vergleicht, nämlich nur 3,40 Dollar in Japan, aber etwa 4,80 Dollar in Deutschland.

Das Kalkül der japanischen Anleger bei ihrer Auslandsanlage geht jedoch nur auf, falls der Yen nicht allzu stark aufwertet. Das würde die Zins- und andere Werterträge schnell auffressen oder sogar ins Negative treiben. Dann werden sie in Massen verkaufen. Daher reagiert der globale Finanzmarkt auch so nervös darauf, wenn die Bank of Japan ihre Geldpolitik überdenkt.

Foto: Yen (Pxhere CC0)