Tokio (JAPANMARKT) – Die Medizinische Universität Tokio hat offenbar Frauen bei der Zulassung zum Medizinstudium systematisch benachteiligt. Jedoch geschah dies auf versteckte Weise.

Manipulation der Zulassung

Nach Informationen der Zeitung „Yomiuri“ hat die Hochschule seit rund sieben Jahren die Ergebnisse der Zulassungsprüfungen von weiblichen Bewerbern für einen Studienplatz in Medizin manipuliert, um die Frauenquote der Studenten zu senken. Dies sei geschehen, nachdem der Anteil von Bewerberinnen gestiegen sei.

Angeblicher Grund für das Vorgehen soll gewesen sein, dass ausgebildete Ärztinnen nach der Familiengründung dazu neigen, ihre Arbeit aufzugeben. Durch zu viele Studentinnen werde es zu Personalmangel kommen, da das eigene Krankenhaus und die mit der Universität verbundenen Instiute auf Ärzte angewiesen sei, die lange Schichten und Notfalleinsätze übernehmen.

Das Argument dürfte jedoch nur ein Teil der Wahrheit sein, da die ausgebildeten Ärzte später auch an anderen Krankenhäusern arbeiten könnten. Deswegen deutet das diskriminierende Vorgehen auch darauf hin, dass es an dieser Universität einen generellen Vorbehalt gegen Frauen im Arztberuf geben könnte.

Gesenkte Chance für Frauen

Auf welcher Stufe und auf welche Weise die Auswahl manipuliert wurde, ist nicht klar. Aber die Zahlen für 2018 sprechen für sich: Von 1.596 männlichen Bewerbern bestanden in der ersten Stufe 303 den Zulassungstest. Nach einer zweiten Auswahlstufe wurde 141 Männer zum Medizinstudium zugelassen.

Von den 1.018 weiblichen Bewerbern bestanden angeblich 148 die erste Auswahlstufe. Doch nach der zweiten Auslese blieben nur noch 30 übrig, also 20,3 Prozent. Bei den Männern betrug diese Quote 46,5 Prozent. Die Zulassungsquote für die Frauen betrug unterm Strich nur 2,9 Prozent, aber 8,8 Prozent für die Männer.

Traditionelles Rollenbild

Die Medizinische Universität Tokio ist eine private Hochschule. Möglicherweise hätte sie das Recht, unterschiedliche Zulassungsquoten für Frauen und Männer festzulegen. Das müssten Gerichte klären. Aber die Benachteiligung wurde versteckt, sodass die Studienbewerber davon ausgehen mussten, dass Männer und Frauen gleich behandelt und nur aufgrund ihrer Testleistung ausgewählt wurden.

Die heimliche Benachteiligung spiegelt das etablierte Rollenbild von Frauen als Mütter und Hausfrauen und Männern als in Vollzeit arbeitende Geldverdiener wider, das bei den Verantwortlichen der Hochschule tief verwurzelt sein dürfte. Daher akzeptieren sie lieber einen weniger qualifizierten Mann als späteren Arzt als eine besser qualifizierte Frau.

Diese versteckte Diskriminierung gibt es auch anderswo: So wählen große Unternehmen bei den jährlichen Neueinstellungen weit mehr Männer als Frauen für den internen Karriereweg ins Management aus, obwohl die Fähigkeiten ähnlich sein dürften. Aber dass Frauen bei den fairen Studienzulassungstests benachteiligt werden, hat viele Japaner schockiert.

Foto: Krankenhaus der Medizinischen Universität Tokio (Wikipedia CC BY-SA 3.0)