Tokio (JAPANMARKT) – Die japanische Regierung will offenbar einen eigenen Staatsfonds gründen. Damit ließen sich mehrere unterschiedliche Ziele verfolgen.

Lockmittel für die USA

Nach Informationen der Finanzzeitung Nikkei soll der Fonds zunächst dazu dienen, die Forderung der USA nach einem Abbau des Handelsdefizits mit Japan aufzufangen. Deswegen wird Japans Wirtschaftsminister Toshimitsu Motegi dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer am 9. August in Washington den Fonds vorstellen. Sein Kapital könnte in US-Infrastrukturprojekte fließen sowie die indo-pazifische Investitionsinitiative von US-Außenminister Mike Pompeo unterstützen.

Aber die Überlegungen der japanischen Regierung gehen offenbar weit darüber hinaus. Danach könnte der Fonds auch dabei helfen, eine Aufwertung des Yen abzumildern. Diese Idee geht auf den Ökonomen Koichi Hamada zurück, der als der eigentliche Erfinder der Abenomics genannten Wirtschaftspolitik gilt.

Instrument gegen Aufwertung

Laut Einschätzung von UBS Japan würde der Fonds zunächst mit einem Teil der japanischen Auslandsreserven ausgestattet und dann Kapital von institutionellen Anlegern einsammeln, die eine langfristige Rendite von null Prozent akzeptieren, etwa wenn die realen Zinsen unter null liegen.

Das eingesammelte Geld würde erst dann in ausländische Währung umgetauscht, wenn der Dollar/Yen-Kurs unter 100 liegt, um eine Aufwertung zu bremsen. Selbst bei einem Volumen von nur 100 Milliarden Dollar sei dies ein „kühnes“ Projekt, das den Ehrgeiz der Regierung Abe zeige, die Deflation zu besiegen, meinte James Malcolm von UBS Japan.

Foto: Tokyo Tower als Wahrzeichen von Tokio (Pxhere CC0)