Tokio (JAPANMARKT) – Die private Nachfrage in Japan zieht wieder an. Dadurch ist die Wirtschaft im vergangenen Quartal wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt.

Kurze Schwächephase

Laut der ersten, allerdings häufig unzuverlässigen Schätzung ist das japanische Bruttoinlandsprodukt im Vierteljahr zwischen April und Juni um 0,5 Prozent zum Vorquartal gewachsen. Das entspricht einem Wachstum auf Jahressicht von 1,9 Prozent und liegt deutlich über den Erwartungen.

Damit kann die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt die befürchtete technische Rezession von zwei Negativquartalen in Folge vermeiden. Im Vorquartal (Januar bis März) war das japanische Bruttoinlandsprodukt mit einer revidierten Rate von 0,2 Prozent geschrumpft. Dadurch wurde die längste Wachstumsstrecke seit den Neunzigerjahren beendet.

Privater Verbrauch wächst

Doch diese Schwächephase ist schneller als gedacht überwunden worden. Denn Japans private Verbraucher fassten nach zwei Quartalen mit fallenden Ausgaben wieder Mut und steigerten ihren Konsum um 0,7 Prozent zum Vorquartal.

„Sollte sich diese gute Entwicklung [in realer Rechnung] fortsetzen, stünde auch in den kommenden Quartalen der private Konsum als Wachstumspfeiler bereit“, kommentierte Japan-Analyst Rudolf Besch von der DekaBank. Der private Konsum macht etwa 60 Prozent von Japans Wirtschaftsleistung aus.

Private Investitionen

Diese Zuversicht wird auch von den gewerblichen Investitionen genähert, die im abgelaufenen Quartal um saisonbereinigt 1,3 Prozent zulegten. Das war die höchste Wachstumsrate seit dem vierten Quartal 2016. Als Hauptursachen nennen Analysten den anhaltend hohen Mangel an Arbeitskräften und die steigenden Lohnkosten.

Die Lohnsumme der Angestellten wuchs im Berichtszeitraum um starke 3,8 Prozent. Private Unternehmen investieren daher verstärkt in Automatisierung, darunter Roboter und künstliche Intelligenz. UBS-Ökonom James Malcom interpretierte die beiden Tendenzen als Indizien für einen wachsenden Inflationsdruck in Japan.

„Dynamik lässt nach“

Anders als im Vorquartal leistete der saisonbereinigte Außenhandel keinen positiven Beitrag zum Wachstum, da die Importe um ein Prozent und die Exporte nur um 0,2 Prozent zum Vorquartal wuchsen. Als weitere Bremse wirkte ein schwächerer privater Wohnungsbau.

Auch fehlte die Unterstützung von staatlichen Investitionen, da die Regierung im Gegensatz zum Vorjahr auf Konjunkturhilfen verzichtete. Im Schnitt der vergangenen drei Quartale habe sich die Wachstumsdynamik in Japan relativ deutlich abgeschwächt, notierte Besch.

Foto: Sommerfeuerwerk (Hanabi) in Japan (Pxhere CC0)