Tokio (JAPANMARKT) – Japans indo-pazifische Strategie ist wenig bekannt. Aber sie prägt die japanische Entwicklungshilfe immer stärker.

Politische Einflussnahme

Der Großteil von Japans Unterstützung für Schwellenländer ging schon immer nach Asien. Dahinter steckten auch politische Motive. Zum einen konnte Japan auf diese indirekte Weise Wiedergutmachung für den Zweiten Weltkrieg leisten.

Zum anderen verschaffte sich Japan dadurch politischen Einfluss, da man wegen der pazifistischen Verfassung nicht auf traditionelle Machtinstrumente wie Waffenverkäufe und militärischen Schutz setzen konnte.

„Free and Open Indo-Pacific“

Das chinesische Projekt der „neuen Seidenstraße“ – offiziell „Belt and Road Initiative“ genannt – hat Japan dazu gezwungen, seine Entwicklungshilfe noch gezielter einzusetzen. Auf diese Weise will man Chinas Einfluss in Asien begrenzen.

Schon während seiner ersten Amtszeit (2006 bis 2007) hatte Premierminister Shinzo Abe die Gegenstrategie „Free and Open Indo-Pacific“ verkündet, die er während seiner zweiten Amtszeit (seit Ende 2012) konsequent weiter verfolgte.

Im Zentrum dieser Strategie steht die Stärkung der wirtschaftlichen Kooperation mit asiatischen Nationen. Im Vorjahr flossen mehr als 70 Prozent der japanischen Entwicklungshilfe in Höhe von 16,8 Milliarden Dollar in Anrainerstaaten des Indischen Ozeans und des Pazifiks.

„Qualität statt Quantität“

Größter Empfänger war Indien mit 1,8 Milliarden Dollar Unterstützung, gefolgt von Vietnam mit 1,6 Milliarden Dollar. Dazu kommen Kapitelhilfen für Infrastrukturprojekte, die von japanischen Unternehmen umgesetzt werden, etwa eine Hochgeschwindigkeitsstrecke für Indien.

Doch Japan kann nicht mit den riesigen Kapitalsummen von China konkurrieren, die in die neue Seidenstraße fließen. Die Regierung in Tokio bezweifelt zudem, ob die Empfängerländer die chinesischen Kredite zurückzahlen können.

Stattdessen setzt Japan auf qualitativ hochwertige Projekte und kooperiert dabei mit Australien und den USA. Darauf einigten sich die Außenminister der drei Länder Anfang August bei einem Treffen in Singapur.

Foto: Japans Premier Shinzo Abe und Indiens Premier Narendra Modi (Kantei)