Tokio (JAPANMARKT) – Neue Finanztechnologien und das Auslandsgeschäft sollen die Expansion von Dai-ichi Life vorantreiben. Vor Amazon hat der Lebensversicherer keine Angst.

Breites Geschäftsmodell

Nach Ansicht von Präsident Seiji Inagaki hat Dai-ichi Life Holdings, Japans zweitgrößter Lebensversicherer nach Aktiva, das am meisten diversifizierte Geschäftsmodell der Branche in Japan. Im Gespräch mit ausländischen Journalisten stellte Inagaki das Unternehmen als Pionier dar.

So war man bei der Gründung 1902 Japans erster Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Das Konzept lernte Gründer Tsuneta Yano beim Studium in Deutschland kennen. Später schrieb er als Beamter das passende Gesetz dazu. Als niemand darauf reagierte, gründete er selbst eine Versicherung nach diesem Modell.

Als erster japanischer Lebensversicherer wandelte sich Dai-ichi Life 2010 schließlich in eine Aktiengesellschaft um, um mehr Flexibilität in der Strategie zu gewinnen. Als einziges Unternehmen der Branche setze man beim Vertrieb auf Allianzen mit Partnern außerhalb der Finanzbranche, erläuterte Inagaki.

Innovationstests im Silicon Valley

Ein aktueller Fokus ist die innovative Nutzung von Fintech. So betreibt Dai-ichi Life ein Innovationslabor im Silicon Valley, um neue Geschäftsideen zu testen. Zudem wertet man mithilfe von Hitachi alle Kundendaten aus, um die traditionelle Kalkulation der Prämien zu überprüfen.

Als Beispiel nannte Inagaki die etablierte Praxis, dass Antragsteller mit leicht erhöhtem Blutdruck oder Asthma eine höhere Prämie zahlen müssen. Aber die Auswertung bisheriger Policen ergab für diese Kunden kein erhöhtes Auszahlungsrisiko, weil sie gesundheitsbewusst seien. Durch den Verzicht auf den Zuschlag habe man 20.000 zusätzliche Kunden gewonnen.

Vor dem Verkauf von Lebensversicherungen über Plattformen wie Amazon hat Dai-ichi Life keine Angst. Ohne Beratung würden die meisten Kunden keine Lebensversicherung kaufen, deutete Inagaki an. Eine japanische Internet-Plattform zur Vermittlung von Lebensversicherungen hätte weniger als ein Prozent Marktanteil und setze inzwischen auch Berater ein.

„Gesundheitsalter“ für Policen

Als weitere Innovation nannte Inagaki die „Neo Life“ genannten Policen, die sich auffällig vermarkten ließen. Dazu gehörten ein Prämiennachlass von 20 Prozent für Nichtraucher sowie Verträge auf der Basis des „biologischen Alters“. „Ich bin 55 Jahre alt, aber mein ‚Gesundheitsalter’ beträgt nur 49 Jahre“, berichtete Inagaki.

Zu dessen Berechnung benutzt Dai-ichi den Body-Mass-Index, den Blutdruck sowie das Enzym GGT. „Als 116 Jahre altes Unternehmen verfügen wir über genug Daten für ein solches Produkt “, erklärte Inagaki. Künstliche Intelligenz wird künftig verstärkt im Back Office eingesetzt, um Personal zu sparen.

Zukauf in Australien

Übernahmen und Kooperationen im Ausland bleiben ein wesentlicher Pfeiler des Geschäftsmodells. Anfang der Woche verkündete Dai-ichi Life die Übernahme des australischen Lebensversicherers Suncorp für 640 Millionen australische Dollar (397 Millionen Euro).

Aktuell expandiert Dai-ichi Life nach Kambodscha und Myanmar. Andere Kooperationen im Ausland dienen dazu, die eigene Vertriebskraft zu stärken. Nur China stehe wegen der vielen Markthürden nicht mehr auf seinem Zettel, bekannte Inagaki. Aber man beobachte den Markt von einem Büro in Peking aus.

Foto: Präsident Seiji Inagaki (© Martin Fritz)