Tokio (JAPANMARKT) – Japans Aktienmarkt tritt seit Monaten auf der Stelle. Ein wichtiger Grund sind die fehlenden ausländischen Käufer.

Verkaufswelle läuft

Nach Angaben der Japan Exchange Group haben ausländische Investoren zwischen Anfang Januar und dem 17. August für netto 3,9 Billionen Yen (rund 30 Milliarden Euro) japanische Aktien verkauft. Das ist die größte Verkaufswelle seit 1987. Damals war ein Schwarzer Montag an der Wall Street die Ursache.

Diesmal könnte es genau umgekehrt sein: Die Wall Street ist so attraktiv, dass viele Investoren ihr Kapital lieber dorthin tragen. Die Barometer S&P 500 und Nadaq 100 steigen auf immer neue Rekorde. Dagegen bewegt sich der Nikkei 225 in einer Spanne zwischen 22.000 und 23.000 Yen, der breiter gefasste Topix hat seit Jahresanfang sogar rund fünf Prozent verloren.

Faktoren für Unsicherheit

Analysten sehen noch andere Faktoren, warum japanische Aktien derzeit nicht so attraktiv sind. So herrscht Unsicherheit darüber, ob die Unternehmensgewinne auch in diesem Jahr weiter steigen. Im Schnitt erwarten die börsennotierten Gesellschaften – anders als im Vorjahr – derzeit kein Ertragswachstum für das laufende Geschäftsjahr.

Unsicherheit entsteht auch durch die Handelsattacken von US-Präsident Donald Trump. Höhere US-Importzölle zum Beispiel würden Japans Autoindustrie schwer schaden. Ein dritter Faktor dürfte die Geldpolitik der Notenbank sein. Ausländische Investoren erwarten starke Volatilität, falls die Bank of Japan ihre hohen Anleihe- und Aktienkäufe verringern sollte.

Allerdings haben diese Anleger in der Vergangenheit wegen zu viel Vorsicht schon einige starke zyklische Aufschwünge am japanischen Aktienmarkt verpasst. Zwischen 2015 und 2017 zum Beispiel waren Ausländer zwei Jahre lang ebenfalls Nettoverkäufer, obwohl während dieser Zeit japanische Dividendentitel hohe Renditen einbrachten.

Foto: Tokioter Börse (flickr/Dick Thomas Johnson CC BY 2.0)