Tokio (JAPANMARKT) – Ein milliardenschwerer Zukauf in den USA soll den letzten japanischen Halbleiterriesen Renesas für die automobile Zukunft stärken. Zugleich wird der Produzent dabei weniger abhängig von der Autoindustrie.

Fokus Autoindustrie

Renesas kauft den US-Rivalen Integrated Device Technology (IDT) aus San Jose für 6,7 Milliarden Dollar. Inklusive Schulden ist das Geschäft 7,2 Milliarden Dollar wert. Das entspricht dem 8,5-fachen Umsatz. Die Japaner zahlen eine Prämie von 16 Prozent zum Schlusskurs der IDT-Aktie vom Montag.

Nach NXP Semiconductors in den USA und der deutschen Infineon ist Renesas der größte Hersteller von Mikroprozessoren für Automobile und eng mit der japanischen Fahrzeugindustrie verbunden. Über die Hälfte der eigenen Einnahmen stammt aus dem Automobilbereich. Doch zu den Schwächen der Japaner zählen sogenannte Analogchips, die Signale wie Geräusche, Licht und Temperatur in digitale Daten umwandeln.

Diese Chips werden für die Assistenzsysteme von Fahrzeugen immer wichtiger. Mit seinen Elementen für Funknetzwerke und Sensoren besitzt IDT das erwünschte Knowhow für autonome Autos und das Internet der Dinge.

Globale Konsolidierung

Es gibt Zweifel, ob die IDT-Technologien für Automobile zuverlässig genug sind. Bisher stammen nur 11 Prozent des IDT-Umsatzes aus diesem Bereich. Doch Renesas gab sich überzeugt, mithilfe von IDT ein umfassenderes Portfolio für die eigenen Kunden anbieten zu können. Außerdem machen sich die Japaner mit dem Zukauf weniger abhängig vom Autogeschäft, da die eigentlichen IDT-Schwerpunkte auf den Bereichen Datenzentren und Verbraucherelektronik liegen.

Renesas entstand 2010 durch die Fusion der NEC-Chipsparte mit den Halbleitergeschäften von Hitachi und Mitsubishi Electric. Bei der Naturkatastrophe vom März 2011 wurden mehrere Fabriken beschädigt, sodass der japanische Staat als Retter für den Zulieferer der nationalen Autoindustrie einsprang. Bis heute hält der staatliche Fonds INCJ die Mehrheit. Bei der Konsolidierung der globalen Chipindustrie gehört Renesas zu den Nachzüglern. Im Herbst 2016 wurde lediglich der US-Wettbewerber Intersil für 3,2 Milliarden Dollar gekauft.

Foto: Renesas-Zentrale in Düsseldorf (Wikipedia CC BY-SA 3.0)