Tokio (JAPANMARKT) – China sucht die Nähe zu Japan, Russland bietet einen Friedensvertrag an. Die staatlichen Beziehungen in Ostasien verändern sich. Was steckt dahinter?

Annäherung an China

Bei einem Internationalen Wirtschaftsforum in Wladiwostok in dieser Woche setzte sich das Tauwetter zwischen Japan und China fort. Regierungschef Shinzo Abe und Präsident Xi Jinping trafen sich zum ersten Mal seit zehn Monaten und sprachen dabei auch über einen ersten Besuch von Abe in Peking, der schon im Oktober zustande kommen könnte.

Auch Russlands Präsident Putin bewegte sich überraschend auf Japan zu. Am Montag hatte Putin bei seiner 22. Begegnung mit Abe noch erklärt, die Frage des Friedensvertrages zwischen beiden Ländern lasse sich nicht von heute auf morgen lösen. Zwei Tage später bot Putin Abe an, einen solchen Vertrag „ohne Vorbedingungen“ bis zum Jahresende zu unterzeichnen.

Zeitenwandel in Sicht

Beide Entwicklungen hängen nach Ansicht von Analysten mit einem Zeitenwandel in Ostasien zusammen. Erstens scheinen sich die USA unter Präsident Donald Trump von ihrer weltweiten Führungsrolle zu verabschieden und eigene nationale Interessen zu verfolgen. Deswegen suchen China und Russland mehr Nähe zum bisherigen US-Verbündeten Japan.

Damit zusammenhängend zeichnet sich – zweitens – eine Nachkriegsordnung für Ostasien ab. Der Koreakrieg könnte bald formal beendet werden, falls die USA und Nordkorea sich darüber handelseinig werden. China als Kriegsteilnehmer und Russland als Nachbarstaat wollen diese neue Ordnung zu ihrem Vorteil mitgestalten. Japan können sie dabei nicht außen vor lassen.

Kapitalstarkes Japan

Der formale Anlass für das erste Gipfeltreffen von Abe und Xi ist das 40-jährige Jubiläum des Freundschaftsvertrages zwischen beiden Ländern. Doch das Treffen soll vor allem ein Signal für den freien Welthandel werden, weil China unter erhöhten US-Zöllen leidet und diese Japan angedroht sind. Deswegen gibt China seine Politik der kalten Schulter gegenüber Japan auf.

Auch Putin kann von besseren Beziehungen zu Japan nur profitieren – zum einen durch Investitionen und Wissenstransfer aus Japan, zum anderen könnte Russland Japan als Geldgeber für den Wiederaufbau von Syrien gut gebrauchen. Japan hat den Putin-Vorschlag eines schnellen Friedensvertrages zwar abgelehnt. Aber diese Tür ist damit nicht endgültig geschlossen.

Foto: Premier Abe und Präsident Putin treffen sich in Wladiwostok (© Kantei)