Tokio (JAPANMARKT) – Der Tokioter Fischmarkt in Tsukiji gehört zu Japans größten Touristenattraktionen. Seine Schließung im Oktober ruft daher auch Kritiker auf den Plan.

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Ein Besuch der Thunfischauktion, ein Spaziergang entlang Ständen mit Meeresspezialitäten, dann eine Einkehr im Fischimbiss – das sind Programmpunkte vieler ausländischer Besucher von Tokio. Insbesondere der rustikale Charme der Stände quasi unter freiem Himmel und der unübersehbare Zahn der Zeit, der an allem nagte, lockten viele Touristen nach Tsukiji.

Jetzt kommt es zu einschneidenden Veränderungen: Alle Fischhändler ziehen bis 11. Oktober in einen zwei Kilometer entfernten Neubau in Toyosu um. Geschlossene Räume ermöglichen dort Dauerkühlung und Hygiene. Auch die Rattenplage von Tsukiji gehört der Vergangenheit an. Doch die Thunfischauktion lässt sich künftig nicht mehr aus nächster Nähe beobachten.

Lukrative Immobilie

Am alten Standort sollen nach den bisherigen Plänen die meisten Restaurants und Geschäfte bleiben, in denen bisher Personal und Besucher superfrische Meeresspezialitäten verzehren konnten. Doch auch ihre Zukunft ist unsicher. Allein wegen der Restaurants werden sicher weniger Touristen nach Tsukiji kommen und die Arbeiter sind nun in Toyosu.

Auch der immense Wert der Tsukiji-Immobilie könnte die Stadt Tokio dazu verführen, das Areal anders zu nutzen. Der Neubau in Toyosu hat 600 Milliarden Yen (4,6 Milliarden Euro) gekostet, auch weil der Boden, auf dem die Hallen stehen, mit enormem Aufwand dekontaminiert werden musste. Dieses Geld ließe sich durch den Verkauf des Tsukiji-Geländes mehr als hereinholen.

Überholtes System

Zugleich gibt es Kritik daran, dass der neue Markt alte, womöglich überholte Strukturen im Fischhandel übernommen hat. In Toyosu sind – wie zuvor – die allgemeinen und spezialisierten Großhändler räumlich getrennt. Jeder Spezialist wird sich wie zuvor mit seinem Elektrokarren seine Ware von den wenigen Generalisten holen.

Diese Struktur ist fast 100 Jahre alt. Seit 1923 dürfen nur wenige Großhändler bei Verkaufsauktionen bieten. Die übrigen Großhändler mussten sich spezialisieren. Mehr als 1.000 sollen es sein. Das ging solange gut, wie die meisten Kunden Restaurants und kleine Geschäfte waren. Aber inzwischen wird der Einzelhandel von großen Supermarktketten kontrolliert.

Diese Großkunden wünschen sich vorhersehbare Preise statt der täglich schwankenden Auktionspreise. Daher tendieren sie dazu, nur von den Generalisten-Großhändlern zu kaufen oder sich Lieferanten außerhalb des Fischmarktes zu suchen. Viele Spezialisten-Großhändler können nämlich nicht genügende Mengen verarbeiten und liefern. Der Markt wird also unwichtiger.

Foto: Fischmarkt in Tsukiji in lukrativer Lage (Wikipedia CC BY-SA 3.0)