Tokio (JAPANMARKT) – Ein junger, extrovertierter Milliardär aus Japan sichert sich mit dem Zuschlag für eine Mondumrundung weltweite Schlagzeilen. Davon dürfte seine Internetplattform „Zozotown“ profitieren.

Stärkste Rakete

Der japanische E-Commerce-Unternehmer Yusaku Maezawa wird als erster Mensch seit den Apollo-Astronauten der 1970er Jahren eine Reise zum Mond antreten. Der 42-jährige Gründer des japanischen Internetunternehmens Start Today erhielt den Zuschlag für den ersten Flug in einer Raumkapsel, die 2023 den Mond umrunden soll.

Dafür entwickelt die US-Raumfahrtfirma SpaceX von Elon Musk die bislang stärkste Rakete der Welt namens „Big Falcon“. Für seinen Mondflug leistet Maezawa nach Angaben von Musk einen „nicht unerheblichen Beitrag“ zu den Entwicklungskosten der bisher stärksten Rakete von geschätzten 5 Milliarden Dollar.

Hohe Bewertung

Der Japaner kann sich diese Investition offenbar leisten. Sein Unternehmen betreibt die Internetplattform „Zozotown“ für den Verkauf von günstiger Mode zahlreicher Marken, die sich häufig eine eigene Webseite in Japan sparen. Neuerdings bietet Maezawa eine Eigenmarke an. Ihre Textilien werden mithilfe eines speziellen Anzugs und einer Smartphone-App für den jeweiligen Käufer maßgeschneidert. Seit Juli expandiert Zozotown weltweit (JAPANMARKT.de berichtete).

Start Today beschäftigt heute 2.000 Mitarbeiter und machte zuletzt knapp 750 Millionen Euro Umsatz. An der Börse sind die 38 Prozent Anteile von Maezawa 2,9 Milliarden Euro wert, auch dank einer extrem hohen Bewertung. Das 1998 gegründete Unternehmen Start Today begann ursprünglich als Online-Verkäufer von importierten CDs mit ausländischer Musik. Dies spiegelt die Wurzeln von Maezawa wider, der als Gitarrist und dann Schlagzeuger der Punkband „Switch Style“ mit einem eigenen Plattenvertrag relativen Erfolg als Musiker hatte.

Gegen Konformismus

Zuvor absolvierte Maezawa die elitäre Waseda-Oberschule, aber schlug die Chance aus, an der renommierten Waseda-Universität zu studieren. Er wollte kein „Salaryman“ werden, ein „Firmenkrieger“, der sich für sein Unternehmen aufopfert. Die Idee zum Internethandel kam ihm während einer Kalifornienreise nach dem Schulabschluss.

Mit seinem Vermögen frönt der Japaner seiner Leidenschaft, moderne Kunst zu sammeln. Mehrere hundert Werke sind schon in seinem Besitz, die er einmal in einem eigenen Museum in Chiba präsentieren will. 2017 machte er mit dem Erwerb eines Gemäldes von 1982 des US-Künstlers Jean-Michel Basquiat für 110,5 Millionen Dollar weltweite Schlagzeilen. Seine Kunstliebe dürfte auch erklären, warum Maezawa sechs bis acht Kreative zu seiner Mondreise einladen will – auf seine Kosten.

Foto: Künstlerische Vision der Mondrakete New Falcon Rocket (via Elon Musk/Twitter)