Tokio (JAPANMARKT) – Erneut haben Hacker einen japanischen Handelsplatz für digitale Währungen in großem Stil betrogen. Das trifft auch die staatliche Finanzaufsicht.

„Heiße Geldbörsen“

Die Kryptobörse Zaif hat durch den Cyberangriff 6,7 Milliarden Yen (51 Millionen Euro) verloren. Davon lagen 4,5 Milliarden Yen auf Kundenkonten, der Rest gehörte der Börse selbst. Nach Angaben des Betreibers Tech Bureau in Osaka wurde Zaif am 14. September zwischen 17 Uhr und 19 Uhr attackiert. Die Hacker erbeuteten Bitcoin, Bitcoin Cash und Monacoin aus „heißen Geldbörsen“, die über das Internet zugänglich sind. Der Diebstahl wurde erst drei Tage später entdeckt. Darauf suspendierte Zaif alle Transaktionen.

Der erneute erfolgreiche Hackerangriff ist ein schwerer Schlag für das Ansehen der japanischen Finanzaufsicht. Die Financial Services Agency (FSA) hatte in einem weltweiten Alleingang den Betrieb von zahlreichen Handelsplattformen für Digitalwährungen erlaubt, bevor sie ihren Lizenzantrag bewilligte. Zaif gehörte zu den sieben Händlern, die die FSA nach dem Hackerangriff auf die Börse Coincheck im Januar mit dem Diebstahl von 58 Milliarden Yen (443 Millionen Euro) ermahnt hatte.

Entschädigung der Kunden

Zaif-Betreiber Tech Bureau will die Krise nach dem gleichen Muster wie Coincheck überwinden. Coincheck hatte seine Kunden für ihre Verluste aus eigenen Rücklagen entschädigt und wurde danach von dem Finanzunternehmen Monex übernommen. Zaif wiederum verkauft die Mehrheit seiner Aktien für 5 Milliarden Yen an den japanischen Finanzdienstleister Fisco, um mit dieser Einnahme die bestohlenen Kunden auszuzahlen.

Japan gehört zu den weltweiten Hochburgen des Handels mit virtuellem Geld. Nach Angaben von CryptoCompare.com werden derzeit 12 Prozent des Bitcoin-Handels in Yen abgewickelt. Doch viele Handelsplätze und Kunden nehmen es mit der Sicherheit nicht allzu genau. Allein im ersten Halbjahr 2018 gab es 158 Kryptogeld-Diebstähle für insgesamt 60,5 Milliarden Yen.

Foto: Bitcoin (Pixabay CC0)