Tokio (JAPANMARKT) – Der japanische Analysespezialist Shimadzu will ab Oktober die Früherkennung von Darmkrebs anhand einer Blutprobe anbieten. Dies wäre eine weltweite Premiere.

Hochgenaue Untersuchung

Nach Angaben des Unternehmens lässt sich das Vorhandensein von Tumorzellen im Darm mit einer Wahrscheinlichkeit von über 96 Prozent feststellen. Der Test einer kleinen Blutmenge soll auch empfindlich genug sein, um Karzinome im Dickdarm bereits in den Frühstadien 0 und I zu finden. Eine einzelne Blutuntersuchung kostet zunächst 20.000 Yen (153 Euro). Zur Erstattung durch die Krankenkasse liegen keine Informationen vor.

Diese neue Methode der Früherkennung ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Shimadzu mit der Medizinischen Fakultät der Universität Kobe und dem Nationalen Krebsforschungszentrum. Bereits 2012 hatte eine Forschergruppe um Masaru Yoshida in Kobe vier Zwischenprodukte des Stoffwechsels der Tumorzellen, sogenannte Metaboliten, entdeckt, die sich zur Diagnose von Darmkrebs verwenden lassen.

Zuverlässiges Vorhersagemodell

Daraus wurde ein hoch zuverlässiges diagnostisches Vorhersagemodell entwickelt. An dieser Stelle kam der Analysespezialist Shimadzu ins Spiel, um eine Hochleistungsmethode zur Messung dieser Metaboliten im Blutplasma zu entwickeln. Auf der Basis einer großen Anzahl von Proben von Darmkrebspatienten wurden schließlich acht Multi-Biomarker für die sichere Diagnose gefunden.

Shimadzu gehört zu den Pionieren beim medizinischen Einsatz von Massenspektrometern. Ihr prominentester Mitarbeiter ist Koichi Tanaka, der für seine Methode zur Untersuchung von Makromolekülen durch Massenspektrometer den Chemienobelpreis 2002 erhalten hat. Inzwischen hat Shimadzu das Medizingeschäft als Kernwachstumsfeld definiert und entwickelt entsprechende Analysegeräte.

Häufiger Darmkrebs in Japan

In Japan ist Darmkrebs inzwischen die häufigste Tumorerkrankung sowohl bei Männern als auch Frauen geworden. Im Jahr 2014 wurden 860.000 neue Krebsfälle in Japan registriert, Darunter waren rund 500.000 Männer. Darmkrebs wurde in rund 134.000 Fällen – 86.000 bei Männern und 57.000 bei Frauen – diagnostiziert und löste damit Magenkrebs als häufigste Tumorart in Japan ab.

Das Krebszentrum führt dies nicht auf den Anstieg von Darmkrebs, sondern auf den Rückgang von Magenkrebs zurück, da Mageninfektionen durch die Bakterie Helicobacter Pylori aufgrund verbesserter Hygiene in den späteren Nachkriegsjahren weniger häufig vorkamen. Aus diesen Infektionen kann auch Krebs entstehen.

Das Krebszentrum analysierte bisher nur die Daten für 2014, da sie bereits aufgeschlüsselt und international vergleichbar gemacht wurden.

Foto: Aufnahme von Darmkarzinom (Wikipedia CC BY-SA 3.0)