Tokio (JAPANMARKT) – Den Handelskrieg mit den USA wegen Autoimporten hat Japan vorerst abgewendet. Parallel stützt ein Investitionsboom die Konjunktur.

Kurzfristige Abbremsung

Die US-Notenbank hat den Leitzins am Mittwoch auf 2,25 Prozent erhöht, bis Ende 2019 könnten es 3,25 Prozent werden – so gut läuft die US-Wirtschaft. In Deutschland haben die vier führenden Institute ihre Konjunkturprognose gekürzt, aber sie erwarten für 2018 immer noch 1,7 Prozent.

In Japan deutet sich nach dem starken Anstieg um 0,7 Prozent im zweiten Quartal 2018 Japan für das laufende Vierteljahr wegen Naturkatastrophen ein etwas geringeres Wachstum an. Erdrutsche im Juli, zwei Monate Hitzewelle sowie ein Taifun und Erdbeben im September dürften auch nach Einschätzung vieler Japan-Analysten die wirtschaftlichen Statistiken belasten. Mazda zum Beispiel rechnet aufgrund ausgefallener Produktion mit 28 Milliarden Yen (214 Millionen Euro) weniger operativem Gewinn.

Positive Frühindikatoren

Allerdings könnte es bei einer kleinen Wachstumsdelle bleiben, da andere Frühindikatoren zuletzt eher positiv ausfielen. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie von Nikkei-Markit zum Beispiel stieg im September um 0,4 Punkte auf das Dreimonatshoch von 52,9. Der gleiche Index für den Dienstleistungsbereich rückte im August auf 51,5 vor. Der stark beachtete Stimmungsausblick von konjunkturnahen Wirtschaftsteilnehmern wie Einzelhändlern und Restaurantbetreibern verbesserte sich um 2,4 Punkte auf 51,4.

In Japans Industrie befürchten die Manager die Auswirkungen des Handelskrieges zwischen China und den USA sowie direkt gegen Japan gerichtete Zölle. Die Regierung in Tokio verbreitet jedoch Optimismus. Am Mittwoch einigten sich Premier Shinzo Abe und US-Präsident Donald Trump auf bilaterale Handelsgespräche vor allem über Maßnahmen gegen das US-Handelsdefizit mit Japan von zuletzt 69 Milliarden Dollar. Solange sie laufen, werden die USA keinen höheren Zoll auf Fahrzeuge erheben.

Boomende Investitionen

Das kräftigste Signal für eine weiter brummende Konjunktur liefern die privaten Kapitalausgaben, die seit sieben Quartalen in Folge Wachstum verzeichnen. Das gab es zuletzt in den 1980er Jahren. Im vergangenen Vierteljahr erhöhten die Unternehmen ihre Kapitalausgaben um 3,1 Prozent. Laut einer Prognose von Morgan Stanley werden die großen Konzerne bis 2020 jährlich sieben Prozent mehr investieren. Im Vorjahr waren es fünf Prozent. Davon fließt viel in die Automatisierung durch Roboter und künstliche Intelligenz.

Auch der schwache Yen spricht dafür, dass Japans Wirtschaftsmotor vorläufig nicht ins Stocken gerät. Die Zinsen in Japan werden auf absehbare Zeit nicht steigen. Das bekräftige Notenbankchef Haruhiko Kuroda erst am Wochenende unter Verweis auf Unsicherheiten. Dazu gehört für die Bank of Japan neben den Handelskonflikten die Erhöhung der Umsatzsteuer um zwei Punkte auf 10 Prozent im Oktober 2019. Auch die steigenden US-Zinsen sorgen für einen schwachen Yen, der in den vergangenen Jahren eine wichtige Konjunkturstütze war.

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