Tokio (JAPANMARKT) – Die Handelshäuser in Japan gelten immer noch vor allem als Rohstoffhändler. Dabei haben diese Konzerne inzwischen mächtig umgebaut.

Helfer für Exporte

Die Namen Mitsubishi Corp., Mitsui & Co, Sumitomo Corp., Itochu Corp. und Marubeni stehen für Japans fünf größte Handelshäuser. Diese „allgemeinen Handelsgesellschaften“, auf Japanisch „Sogo Shosha“, waren nach dem Weltkrieg für den Aufstieg von Japan zu einer Exportnation stark mitverantwortlich.

Viele Unternehmen benutzten das Netzwerk der Handelshäuser für den Einkauf von Rohmaterialien und Zwischenprodukten und knüpften über ihre Filialen im Ausland Geschäftsbeziehungen. Doch nach der Fukushima-Krise im Jahr 2011 erwarben die Handelshäuser zu viele und zu teure Öl- und Gasfelder und Kohlevorkommen sowie beteiligten sich an zu vielen Erschließungsprojekten.

Comeback an der Börse

Als die globale Rohstoffblase ab 2015 platzte und die Preise von Öl, Gas, Kohle und Erzen einbrachen, wurden die Rohstoffhändler zu hohen Abschreibungen gezwungen. Zudem mussten sie einige Beteiligungen verkaufen. Doch nun erleben die Handelshäuser an der Börse ein Comeback, allerdings nach Ansicht des Finanzdienstes Bloomberg aus den falschen Gründen.

Denn ihre Aktien sind zusammen mit den Rohstoff- und Rohölpreisen gestiegen. Doch die Handelshäuser profitieren davon weniger als in der Vergangenheit, weil sie ihre Abhängigkeit vom Rohstoffgeschäft verringert haben. Stattdessen haben sie sich in den vergangenen Jahren ganz neue Fundamente für ihre Geschäfte erschlossen.

Nahrungsmittel und Textilien

Itochu zum Beispiel hat die Sparten für Maschinen, Finanzdienste und Nahrungsmittel stark ausgebaut. Mitsui setzt unter anderem auf Windenergie und beteiligte sich kürzlich an einem 300-Mega-Watt-Projekt in Taiwan mit einem Volumen von 1,8 Milliarden Dollar. Mitsubishi Corp. expandiert in Nahrungsmittel und Textilien.

Ein Beispiel dafür ist die Übernahme von Gourmet Delica, ein Hersteller von frischem Fertigessen für kleine Supermärkte, im August. Passend dazu betreibt das Handelshaus bereits die Minisupermarktkette Lawson. Aber im Auftrag des Textilriesen Fast Retailing will Mitsubishi auch den Markt in Vietnam für die Marke Uniqlo erschließen.

Dieser Wandel der Handelshäuser dürfte ihre Zukunft sichern. Japan braucht die sogo shosha nicht mehr, um sich mit Rohstoffen zu versorgen. Viele Unternehmen kommen auch ohne ihr Netzwerk an Auslandskontakten voran. Aber nun entwickeln sie sich in die Richtung von Beteiligungsgesellschaften, die den Wert ihrer Unternehmen selbst steigern.

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