Tokio (JAPANMARKT) – Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet ein „solides“ Wirtschaftswachstum in Japan in diesem Jahr, schlägt jedoch auch neue Anstrengungen bei Finanzen und Reformen vor.

Wachstum über Potenzial

In seinem aktuellen Länderbericht zu Japan bewertet der Währungsfonds die Entwicklung der Wirtschaft und der Wirtschaftspolitik überwiegend positiv. Im laufenden Jahr geht der IWF von einer Wachstumsrate von 1,1 Prozent aus. Dies liege über der geschätzten Potenzialrate der Wirtschaft, die zwischen 0,5 und 1 Prozent liegt. Die Gesamt- und Kerninflation habe aufgrund der gestiegenen Energiepreise an Dynamik gewonnen, bleibe aber deutlich unter dem 2-Prozent-Ziel der Bank of Japan.

In dem Bericht mahnt der Währungsfonds auch neue Maßnahmen an, die Wirtschaft zu beleben und die Verschuldung nachhaltig zu verringern. Konkret nennt der IWF glaubwürdige fiskalische Rahmenbedingungen, ambitionierte Reformen auf dem Arbeitsmarkt sowie eine weiter akkommodierende Geldpolitik der Bank of Japan, die ihre Ziele klarer kommunizieren solle.

Abenomics „angemessen“

Die Strategie der Abenomics, die aus den drei Pfeilern Geld- und Zinspolitik, Fiskalpolitik sowie Strukturreformen besteht, bezeichnete der Fonds als „weiter angemessen“. Sie müsse jedoch verstärkt werden. Beispiel Fiskalpolitik: Die Regierung hat das Primärüberschussziel für das Haushaltsjahr 2020 um fünf Jahre auf 2025 verschoben. Das sei realistisch gewesen, schreibt der IWF in dem Länderbericht. Jedoch stütze sich auch der neue Rahmen auf relativ optimistische Annahmen zum Wachstum von Bruttoinlandsprodukt und Produktivität.

Die Fortschritte bei den Strukturreformen bewertet der IWF als „uneinheitlich“. Die Arbeitsmarktgesetzgebung, darunter die Begrenzung von Überstunden, ist kürzlich vom Parlament verabschiedet worden, aber ihre Wirksamkeit bei der Steigerung von Produktivität und Löhnen wird nach Ansicht der IWF-Ökonomen von der Umsetzung abhängen. Das gelte auch für die detaillierten Leitlinien zu gleichem Lohn für gleiche Arbeit.

Auf dem Arbeitsmarkt wurden laut IWF Fortschritte erzielt – die Beschäftigung von Frauen und älteren Arbeitnehmern sowie ausländischen Arbeitskräften nähme zu. Allerdings müsste die Regierung die Hürden im Steuersystem und der Sozialversicherung für mehr reguläre Arbeitsstellen beseitigen. Außerdem seien die Fortschritte bei der Deregulierung zu langsam. Gelobt wurden die Überarbeitungen des Corporate Governance Kodexes sowie die Abschlüsse der Handelsverträge mit der Europäischen Union und den Pazifikanrainerstaaten.

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