Tokio (JAPANMARKT) – Die Weltwirtschaft wächst offenbar etwas langsamer. Dennoch steigern viele japanische Unternehmen ihre Anlageinvestitionen. Dahinter stecken mehrere Motive.

Maschinenaufträge wachsen

In dieser Woche hat der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft um 0,2 Punkte auf 3,7 Prozent für 2018 und 2019 gesenkt und dabei auf wachsende Risiken verwiesen. Dazu gehörten der Handelsstreit zwischen den USA und China und Turbulenzen an der Finanzmärkten.

Aber japanische Unternehmen scheint die Aussicht auf eine schwächere Konjunktur nicht zu schrecken. Jedenfalls kaufen sie weiter verstärkt Maschinen und technische Ausrüstungen ein. Die Kernaufträge für Maschinen stiegen im August um starke 6,8 Prozent zum Vormonat. Außerdem war dies bereits der zweite monatliche Anstieg in Folge.

Im Vergleich zum Vorjahr lag das Auftragsvolumen um 12,6 Prozent höher und erreichte dabei das höchste Niveau seit 2008. Bereits im zweiten Kalenderquartal zwischen April und Juni hatten die privaten Unternehmen ihre Investitionen um 3,1 Prozent zum Vorquartal hochgefahren, so kräftig wie zuletzt vor knapp drei Jahren.

Automatisierung im Fokus

Ein Grund für die hohen Kapitalausgaben ist der Arbeitskräftemangel, den die Unternehmen durch Automatisierung lindern wollen. Auch die vierte industrielle Revolution mit digitalisierten Lieferketten und künstlicher Intelligenz erzwingt Investitionen unabhängig von der Konjunktur. Eine weitere Basis für mehr Investitionen könnte das Steuerpaket der Regierung von Shinzo Abe gelegt haben, wie der Finanzdienst Bloomberg analysiert.

Seit dem Frühjahr können Unternehmen ihre effektive Körperschaftssteuerrate von normalerweise 29,74 Prozent auf bis zu 20 Prozent drücken, wenn sie ihre Löhne erhöhen, ihre Mitarbeiter weiterbilden und in „hochwertige“ Ausrüstungen für das Internet der Dinge, Informationstechnologie und Automatisierung investieren. Dazu kommt die Möglichkeit einer Sonderabschreibung für Investitionen in Anlagen mit Minimumausgaben von 50 Millionen Yen (385.000 Euro). Höhere Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen werden steuerlich belohnt. Zudem verzichtet der Staat auf die Steuer für neue Ausrüstungen.

Die staatlichen Maßnahmen zielen auf eine Bekämpfung der Deflation, weil viele Unternehmen sehr viel Kapital auf der hohen Kante liegen haben, das in den Wirtschaftskreislauf fließen soll. Deshalb sind die Anreize auf drei Jahre beschränkt. Diese Hebel scheinen nun zu wirken. Als Beispiel nennt der Bloomberg-Bericht den Roboterhersteller Fanuc: Der Anteil seiner Entwicklungsausgaben stieg auf fast sieben Prozent des Umsatzes, während die effektive Steuerrate auf knapp 26 Prozent zurückging.

Foto: Reinraum in neuer Chip-Fabrik in Yokkaichi (Western Digital/Toshiba)