Tokio (JAPANMARKT) – Japans Tourismus-Agentur hat eine Umfrage über „zu viel“ Tourismus bei Städten und Gemeinden begonnen. Anhand der Ergebnisse will man Ideen für nachhaltigen Tourismus entwickeln.

„Über-Tourismus“

Die Umfrage soll zunächst das Ausmaß des „Über-Tourismus“ feststellen. Gemeint ist, in welchem Umfang einige Städte und Gemeinden von Touristen überlaufen werden, so dass es sowohl für ihre Besucher als auch ihre Bewohner nachteilig wird.

Dafür wurden japanischen Medienberichten zufolge Fragebogen an rund 50 Lokalregierungen verschickt. In einer zweiten Phase werden weitere 150 Städte und Gemeinden angeschrieben. Bis Ende März soll schließlich ein Bericht vorliegen.

Hintergrund ist der dramatische Anstieg der Zahl von ausländischen Besuchern. Vor zehn Jahren kamen nur 8,3 Millionen Ausländer jährlich nach Japan, in diesem Jahr könnten es bis zu 32 Millionen werden. Im Olympiajahr 2020 sollen es nach dem Willen der Regierung sogar 40 Millionen jährlich sein.

Überforderte Infrastruktur

Der Besucherboom wurde durch die Erleichterung der Visabedingungen ausgelöst. Doch auf der Infrastrukturseite gab es kaum Vorbereitungen. Daher fehlt es an vielen beliebten Orten an Hotelzimmern und Unterkünften. Auch der öffentliche Nahverkehr ist mit dem Ansturm an Orten wie Kyoto und Kamakura überfordert.

Auch bei der Einreise nach Japan kommt es immer wieder zu langen Wartezeiten, weil zu wenige Beamte an den Grenzschaltern sitzen. Hier will die Regierung nun mit einem elektronischen Visasystem nach dem Vorbild anderer Länder wie USA, Indien und Australien die Abfertigung beschleunigen.

Unbekannte Abfallregeln

Außerdem kennen viele ausländische Besucher manche selbstverständliche Regel des japanischen Alltags nicht. Dazu gehört zum Beispiel, dass in Bussen und Bahnen nicht telefoniert und persönlicher Abfall nicht liegen gelassen wird. Darüber gibt es viel Empörung bei manchen Anwohnern.

Verglichen mit anderen Ländern hält sich der Ansturm auf Japan in Grenzen. Allein die Stadt Berlin verzeichnete 2017 rund 13 Millionen Gäste, davon zwei Fünftel aus dem Ausland. Doch für viele Japaner kommt die Öffnung ihres Landes für Touristen überraschend. Darauf waren sie so wenig vorbereitet wie viele Städte und Gemeinden.

Foto: Tempel in Kamakura (Pixabay CC0)