Tokio (JAPANMARKT) – Softbank ist bei ihrer Strategie der Technologieinvestitionen abhängiger von Saudi-Arabien als gedacht. Das zeigt sich jetzt in der Kashoggi-Krise.

Vorwürfe belasten

Erstmals hat die japanische Softbank Group öffentlich bezweifelt, dass ein zweiter Vision Fund für Investitionen in Technologieunternehmen zustande kommt. „Dafür gibt es keine Gewissheit“, erklärte Chief Operating Officer Marcelo Claure bei einer Technologie-Konferenz in San Jose. Man beobachte gespannt, was sich in Saudi-Arabien tue.

Damit bestätigte der Softbank-Manager Befürchtungen am Finanzmarkt, dass sich die internationalen Reaktionen auf die mutmaßliche Ermordung des saudi-arabischen Regimekritikers Jamal Kashoggi in einem Konsulat in der Türkei negativ auf das Geschäft der Japaner auswirken könnten.

Ankerinvestor für Softbank-Fonds

Kronprinz Mohammed bin Salman hatte kürzlich bestätigt, er wolle 45 Milliarden Dollar in einen zweiten Vision Fund von Softbank stecken. Ohne Saudi-Arabien kämen jedoch die anderen Investoren des ersten Fonds womöglich nicht mit an Bord. Das Königreich ist mit 45 Milliarden Dollar der Ankerinvestor des 92 Milliarden Dollar schweren ersten Vision Funds, der im Herbst 2016 gestartet wurde.

Softbank selbst steuerte 25 Milliarden Dollar bei. Drittgrößter Investor ist der Staatsfonds von Abu Dhabi, gefolgt von der taiwanesischen Foxconn. Selbst falls der saudische Kronprinz an seinem Plan festhält und mit seiner Hilfe ein zweiter Vision Fund zustände käme, besteht die Gefahr, dass Unternehmen wegen Kashoggi das Saudi-Kapital nicht annehmen wollen.

Das Krisenbewusstsein für Softbank zeigt sich bereits an der Börse. Der Aktienkurs ging in zwei Wochen rund 16 Prozent zurück. Denn die Geschäftsstrategie von Konzernchef Masayoshi Son basiert auch darauf, mit seinen Milliarden-Investitionen die eigene hohe Verschuldung auszubalancieren. Allerdings besitzt Softbank außer dem Vision Fund noch zahlreiche andere Beteiligungen.

Foto: Softbank-Filiale (flickr/jun560 CC BY-NC-ND 2.0)