Tokio (JAPANMARKT) – Japans Verbraucher gelten als besonders preisbewusst. Deshalb reagieren sie besonders sensibel auf versteckte Manipulationen.

Weniger Packungsinhalt

Viele Preise in Japan, etwa von Lebensmitteln, sind im internationalen Vergleich relativ hoch. Das dürfte der Grund sein, warum die Konsumenten stark auf Preisveränderungen reagieren. Japans Unternehmen wiederum kennen die Angewohnheiten ihrer Kunden und vermeiden daher Preiserhöhungen so lange wie möglich. Lieber verringern sie heimlich die Verkaufsmenge.

Doch eine Analyse der Finanzzeitung Nikkei beweist, dass viele Konsumenten den Trick bemerken und das Produkt anschließend nicht mehr kaufen, weil sie sich betrogen fühlen. Laut der Analyse gingen bei sieben von zehn Produkten die Verkaufszahlen zurück, wenn die Packungsmenge heimlich geändert wurde.

Bei einer Umfrage der Consumer Affairs Agency unter 1.400 Japanern erklärten 80 Prozent der Befragten, die Zahl der Fälle solcher versteckten Preiserhöhungen sei gestiegen. Ein Grund für diese Wahrnehmung scheint zu sein, dass sich Informationen über solche Manipulationen über soziale Medien heutzutage rascher verbreiten.

Marketing als Gegenstrategie

Daraus könnten die Unternehmen die Lehre ziehen, den Preis nicht heimlich zu erhöhen. Allerdings verringert eine offizielle Preisanhebung in der Regel ebenfalls den Umsatz. Einige Hersteller drehen deshalb geschickter am Preis, etwa indem sie gleichzeitig Packungsinhalt und Preis verändern oder eine neue Verpackung mit weniger Inhalt einführen.

So verringerte Meiji die Inhaltsmenge der Milchmarke „Oshii Gyunyu“ ab 2016 um zehn Prozent auf 900 Milliliter und kommunizierte dies auch. Gleichzeitig führte der Nahrungsmittelriese eine neue Packung mit einer Ausgießhilfe ein, um die Kunden damit bei der Stange zu halten. Laut dem Nikkei-Bericht nahm der Umsatz danach zu.

Foto: Neuer Container für Meiji-Milchmarke (© Meiji via meijioshiigyunyu.com)