Tokio (JAPANMARKT) – Japans Regierung fördert die Finanzierung von Jungunternehmen mit Risikokapital. Dafür hat sie sogar ein eigenes Programm gestartet.

Paradefall Mercari

Die Summe von Risikokapital in Japan – gemessen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt – soll in fünf Jahren um das Doppelte steigen. Als zweites Ziel wurde vorgegeben, dass bis 2023 insgesamt zwanzig „Einhörner“ entstehen. Das sind junge Unternehmen mit einem Wert von mindestens 1 Milliarde Dollar.

Das Paradebeispiel ist die Flohmarkt-App „Mercari“. Das Unternehmen nahm bei seinem Börsengang im Juni mehr als 1 Milliarde Euro ein (JAPANMARKT berichtete). Vier Monate später sind die Aktien unter den Ausgabepreis von 3.000 Yen gesunken, aber die Marktkapitalisierung von 400 Milliarden Yen (3,1 Milliarden Euro) rechtfertigt weiterhin den Einhorn-Status.

Allerdings fehlt es inzwischen an neuen Kandidaten für den Einhorn-Zoo. Am häufigsten wird Preferred Networks genannt, ein Spezialist für künstliche Intelligenz und Datenanalyse, der unter anderem mit Fanuc und Toyota zusammenarbeitet. Ansonsten ist die Pipeline recht leer.

Eigene Start-up-Kultur

Im Fiskaljahr 2017 stieg die Risikokapitalsumme in Japan laut dem Japan Venture Enterprise Center um rund ein Viertel zum Vorjahr auf 135,4 Milliarden Yen (rund 1 Milliarde Euro). Diese Summe dürfte in diesem Jahr deutlich höher werden, wenn man die Investitionen von Softbank und dem Softbank Vision Fund in Japan mitrechnet.

Das Volumen von Venture-Kapital in den USA ist rund 50 Mal höher. Aber das Umfeld für Start-up-Unternehmen in Japan lässt sich nicht direkt vergleichen (JAPANMARKT berichtete). Außerdem werden offenbar viele Start-ups relativ früh von großen Unternehmen gekauft, die dann die notwendigen Investitionen aufbringen.

Ein Beispiel liefert der Industrieroboterriese Fanuc, der das Jungunternehmen Life Robotics im Februar übernahm. Das Start-up entwickelt Technologien für kollaborative Roboter, über die der Branchenführer nicht verfügte.

„J-Start-up“-Programm

Das zuständige Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie hat im Juni ein „J-Start-up“-Programm gestartet. Der Staat will also aktiv mithelfen, dass mehr „Einhörner“ entstehen. Allerdings bezweifeln Analysten, dass Beamte die richtige Auswahl treffen können. Zu den ersten Projekten des Programms gehört zum Beispiel die Entwicklung von Flugautos.

Die staatliche Förderung in Japan konzentriert sich traditionell auf das „Sachenmachen“, in Japan als „monozukuri“ verehrt. Auch viele japanische Jungunternehmer sind von dieser Kultur geprägt und wollen etwas produzieren und verkaufen. Dagegen bietet das Einhorn Mercari nur eine Online-Plattform für Verkäufer und Käufer von gebrauchten Artikeln.

Foto: J-Startup (via https://www.j-startup.go.jp)