Tokio (JAPANMARKT) – Japan und Deutschland sollen ihre Beziehungen „revitalisieren“. Dies erklärte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bei seinem ersten Besuch der japanischen Hauptstadt. 

„Strategischer Wertepartner“

Beim Empfang für mehrere hundert deutsche und japanische Manager in Tokio nannte Altmaier Japan einen „strategischen Wertepartner“. Zugleich sprach der deutsche Minister von „schwierigen“ Zeiten und spielte damit wohl auch auf die Handelskonflikte von Japan und der Europäischen Union mit den Vereinigen Staaten unter US-Präsident Donald Trump an.

Mit seinem Besuch setzte Altmaier ein doppeltes Signal: Nach acht Jahren kam erstmals wieder ein deutscher Wirtschaftsminister nach Japan. Zuletzt war Rainer Brüderle von der FDP im Jahr 2010 nach Japan gereist. Außerdem besuchte der Minister, der erst seit sechs Monaten im Amt ist, zuerst Japan statt China.

Der erste japanische Gastgeber von Altmaier, der Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie, Hiroshige Seko, war feinfühlig genug, um diese Gesten zu verstehen. Schließlich gab es durchaus Unzufriedenheit in Japan, wie stark Deutschland lange Zeit sich nach China orientiert hatte.

Bei ihrem Treffen in Tokio am Dienstag unterzeichneten die beiden Minister eine Absichtserklärung für eine Stärkung der ökonomischen Zusammenarbeit beider Länder. Seko wurde von Altmaier für Anfang 2019 nach Berlin eingeladen, um die Bindung zu stärken.

Entwicklung von Pflegeroboter

Als ein künftiges Feld der Kooperation wurde die Digitalisierung genannt. Hier setzen Deutschland mit Industrie 4.0 und Japan mit Gesellschaft 5.0 jeweils ihre eigenen Akzente. Ein konkretes Projekt könnte die gemeinsame Entwicklung von Pflegerobotern sein. Bei dem Empfang entwarf Altmaier die Vision eines solchen Roboters, der ihm selbst im Alter zur Hand gehen könnte.

Beide Volkswirtschaften müssten sich für die technologischen Herausforderungen der Zukunft fit machen, darunter Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren und Cloud-Computing. Es gebe keine Garantie, dass heute führende Länder wie Japan und Deutschland diesen Wettbewerb automatisch in der vordersten Gruppe beständen, warnte der deutsche Wirtschaftsminister.

Den stärksten Applaus während seiner Rede beim Empfang erntete Minister Altmaier jedoch für seinen Wunsch an die vier mitgereisten Bundestagsabgeordneten, im nächsten Haushaltsjahr mehr Geld für das Erlernen von Japanisch zu bewilligen.

Förderung von Japanisch-Lernen

Am zweiten Tag seines Japanaufenthaltes besuchte Altmaier, der sich auf dem Weg zur Asien-Pazifik-Konferenz in Jakarta befand, eine Fabrik der Daimler-Tochter Mitsubishi Fuso in Kawasaki und einen von der Wirtschaftslobby Keidanren veranstalteten Roundtable mit Unternehmensvertretern beider Länder.

Anschließend unterschrieb er mit Masatoshi Ishida, Minister für Innere Angelegenheiten und Kommunikation, eine weitere Absichtserklärung für einen Ausbau der deutsch-japanischen Wirtschaftszusammenarbeit.

Foto: Bundeswirtschaftsminister Altmaier (© Martin Fritz für JAPANMARKT)