Tokio (JAPANMARKT) – Japans größter Mobilfunkanbieter NTT Docomo will die Preise ab April um 20 bis 40 Prozent senken. Damit gab das Unternehmen auch dem Druck der Regierung nach.

Börsenwert bricht ein

Die Aktien der drei Mobilfunkanbieter in Japan brachen nach der Ankündigung von NTT Docomo sowie der Aussicht auf verschärften Wettbewerb durch einen vierten Anbieter kräftig ein. Zum Handelsende am Donnerstag hatten die Unternehmen insgesamt 3,5 Billionen Yen (27,3 Milliarden Euro) an Börsenwert eingebüßt.

Zwar sind die Gebühren von NTT Docomo relativ hoch, weil der Anbieter das beste Netz in Japan hat. Aber das bisherige operative Gewinnniveau wird man nach eigenen Angaben erst 2023 wieder erreichen. Durch die beabsichtigte Trennung der Tarife für die Netznutzung und den Mobiltelefonkauf würden die 67 Millionen Kunden jährlich 400 Milliarden Yen (3,2 Milliarden Euro) sparen.

Wunsch vom Kabinett

Die Rivalen wiegelten zunächst ab. Der Branchenzweite KDDI will NTT Docomo nicht nacheifern, da man die Gebühren bereits gesenkt habe. Softbank machte die künftigen Preise vom Wettbewerb und Nutzerverhalten abhängig. Aber die Regierung dürfte weiter Druck ausüben.

Kabinettssprecher Yoshihide Suga hatte im August erklärt, in den Preisen stecke bis zu 40 Prozent Spielraum (JAPANMARKT berichtete). Laut OECD hatte Japan im Mai 2017 die zweithöchsten Mobilfunktarife der Welt. Im Schnitt mussten die Nutzer 69,79 Dollar pro Monat für ein Paket aus 900 Anrufen und 2 GB Datenvolumen zahlen. Das war doppelt so viel wie der OECD-Durchschnitt.

Für fallende Preise in der ganzen Branche spricht auch, dass die drei Platzhirsche erstmals seit Jahrzehnten einen neuen Konkurrenten bekommen. Bisher tritt Rakuten Mobile, ein Ableger von Japans größtem Online-Einkaufsportal, nur als virtueller Anbieter auf. Aber im Oktober 2019 nimmt man ein eigenes Netzwerk in Betrieb. Schlagkraft erhält es durch eine Roaming-Vereinbarung mit KDDI vom Donnerstag. Im Gegenzug nutzt KDDI die mobilen Bezahllösungen von Rakuten.

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