Tokio (JAPANMARKT) – Japan hat ein eigenes Netzwerk von vier Satelliten für Geodaten in Betrieb genommen. Doch der Nutzen stellt sich erst später ein.

Vier eigene Satelliten

Premierminister Shinzo Abe ließ es sich nicht nehmen, das „Quasi-Zenith Satellite System“ persönlich einzuweihen. Der Regierungschef sprach von einer „neuen Seite im Geschichtsbuch“. Denn erstmals kann Japan seine eigenen Geokoordinaten erzeugen.

Der Staat hat 120 Milliarden Yen (knapp 1 Milliarde Euro) für die insgesamt vier Michibiki-Satelliten ausgegeben. Ihre Umlaufbahnen sind so gewählt, dass jederzeit ein Satellit über Japan steht. Dadurch wird ein nahezu senkrechter Blick in Häuserschluchten und in bergige Regionen möglich. Auch Südostasien und Australien werden abgedeckt.

Höhere Genauigkeit

Das ermöglicht es am Boden, Positionskoordinaten mit einer Genauigkeit von zehn Zentimeter zu generieren. Das klassische US-amerikanische GPS-Satellitensystem ermittelt die Koordinaten nur auf zehn Meter genau. Der Unterschied wirkt sich bei allen Anwendungen aus, die eine höhere Genauigkeit brauchen.

Dazu gehört beispielsweise das autonome Fahren und die Bewirtschaftung von Agrarflächen. Laut dem japanischen Satellite Positioning Research and Application Center werden die Michibiki-Satelliten bis 2025 Geschäfte im Volumen von 2,4 Billionen Yen (18,6 Milliarden Euro) erzeugen.

Neue Dienstleistungen

So wollen Softbank und Murata Manufacturing mit Hilfe der genauen GPS-Daten reparaturbedürftige Straßenabschnitte definieren. NTT Docomo testet mit Sensyn Robotics die Steuerung von Drohnen zur Suche nach Personen in bergigen Regionen. Hitachi setzt die Daten zur Steuerung von Wasser- und Düngergaben für große Ackerflächen in Australien ein.

Allerdings steht die Nutzung der Daten noch an einer großen Hürde: Die Empfangsgeräte sind mit einer Kantenlänge von zehn Zentimeter noch recht klobig und bei Preisen von mehreren zehntausend Euro sehr teuer. Es werden daher noch einige Jahre vergehen, bis die Empfangssensoren klein und preiswert genug für Smartphones sein werden.

Foto: Premierminister Shinzo Abe startet Satellitensystem (Kantei)