Tokio (JAPANMARKT) – Amazon experimentiert mit einem Supermarkt ohne Kasse. Aber ein japanisches Unternehmen ist bereits einen Schritt weiter gegangen.

„Super-Wunder-Kasse“

Auf dem Bahnsteig zwischen den Gleisen 4 und 5 im JR-Bahnhof Akabane nördlich von Tokio hat die Zukunft des Einzelhandels schon begonnen: Dort steht ein kleiner Mini-Supermarkt für 140 Waren ohne Registrier- oder Selbstbedienungskasse. „Super Wonder Register“ heißt das Konzept des elf Jahre alten Unternehmens Signpost.

Nach eigenen Angaben betreibt manzusammen mit der Supermarktkette Kinokuniya den weltweit ersten kommerziellen Supermarkt dieser Art. Bezahlt wird mit einer normalen Geldkarte, die die meisten Japaner beim Bahnfahren benutzen. Kameras und Algorithmen im Laden erkennen, welche Produkte der Kunde mitnimmt. Beim Verlassen des Geschäfts kann der Kunde auf einem Bildschirm die Liste mit seinen Einkäufen prüfen.

Personalmangel als Motiv

Das System von Signpost ist damit unkomplizierter als bei den kassenlosen Supermärkten von Amazon. Dort brauchen die Kunden eine Amazon-App. Beim Einkaufen erkennen Kameras und andere nicht genannte Sensoren die Einkäufe. Fünf Minuten nach dem Verlassen des Geschäfts wird der Einkauf über das normale Amazon-Konto bezahlt. Reguläre Filialen sind aber noch nicht in Betrieb.

Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg will Signpost bis Februar 2021 rund 30.000 solcher Systeme in Japan absetzen. Für einen Supermarkt mit rund 500 Quadratmeter kostet die notwendige Technik rund 100 Millionen Yen (772.000 Euro). Die Nachfrage könnte groß sein: Es gibt allein 55.000 Mini-Supermärkte in Japan. Die meisten haben große Probleme, genug Personal zu finden. Eine Automatisierung des Bezahlens könnte diesen Mangel lindern.

Foto: Kassenloser Supermarkt im Bahnhof Akabane (© Signpost Corp.)