Tokio (JAPANMARKT) – Bald acht Jahre nach der Fukushima-Katastrophe meldet sich Japans Atomindustrie zurück. Aber die Zielvorgabe für Atomstrom lässt sich wohl nicht erreichen.

Neustart in Shikoku

Weitgehend unbemerkt haben die AKW-Betreiber ein Comeback der Atomenergie in Japan eingeläutet. Zuletzt fuhr der Betreiber Shikoku Electric den Block 3 im AKW Ikata wieder hoch. Er liefert seit Ende Oktober Strom und wird zum 28. November die volle Kapazität erreichen. Der Betreiber hatte 190 Milliarden Yen (1,5 Milliarden Euro) für neue Sicherheitstechnik ausgegeben.

Dann wären neun Reaktoren in Japan in Betrieb. Zugleich würde in diesem Jahr in Japan wieder mehr Atomstrom als Elektrizität aus erneuerbaren Quellen produziert, wenn man Wasserkraft nicht mitrechnet. Nach dem Tsunami-Unfall im AKW Fukushima Nr. 1 im März 2011 war ein Reaktor nach dem anderen abgeschaltet worden.

Kaum erreichbares Ziel

In ihrem Energieplan hält die japanische Regierung ebenfalls an der Atomenergie fest. Im Zieljahr 2030 soll sie 20 bis 22 Prozent Anteil des erzeugten Stroms beisteuern. Laut einer Studie im Auftrag der Nachrichtenagentur Reuters lässt sich dieses Ziel jedoch kaum erreichen. Danach werden 2030 nicht mehr als 15 Prozent des Stroms aus Atommeilern stammen.

Nach dieser Expertenschätzung werden in den nächsten fünf Jahren nur noch weitere sechs Atommeiler in Betrieb genommen. Dafür sprechen anhängige Gerichtsverfahren, der Stand der Nachrüstung von Sicherheitstechnik und andere Faktoren. 2023 würden also nur 15 laufen. Für die Vorgabe von 2030 wären rund 30 laufende Reaktoren notwendig.

Mehrere Stilllegungen

Zum Zeitpunkt der Fukushima-Katastrophe gab es 54 Atomkraftwerke in Japan. Abgesehen von den sechs Reaktoren im AKW Fukushima Nr. 1 werden mindestens elf weitere Atommeiler stillgelegt, in der Regel, weil die vorgeschriebenen Nachrüstungen nicht mehr wirtschaftlich sind. Unterm Strich bedeutet dies jedoch immer noch eine Renaissance der Atomkraft.

Das spiegelt sich auch in den Entscheidungen der Atomaufsicht wider. So erhielt in diesem Jahr erstmals ein Reaktor des Fukushima-Betreibers Tepco eine Zulassung. Zudem verlängerte die Behörde erstmals die Betriebserlaubnis für einen Reaktor im Fukushima-Design – den Reaktor Tokai Nr. 2 von Atomic Power – um zwanzig Jahre auf dann sechzig Jahre.

Foto: Reaktor 3 im AKW Fukushima Nr. 1 im November 2018 (Pool NRA/ © Pierre-Emmanuel Delétrée)