Tokio (JAPANMARKT) – Ein Friedensvertrag zwischen Japan und Russland scheiterte bisher an vier umstrittenen Inseln. Nun macht Japan den Weg frei.

Friedensvertrag möglich

Am Rande des ASEAN-Gipfels in Singapur haben sich Japans Regierungschef Shinzo Abe und Russlands Präsident Wladimir Putin bereits zum 23. Mal zusammengesetzt. Erneut sprachen beide über die vier Kurilen-Inseln nördlich von Hokkaido, die in Japan „Nördliche Territorien“ genannt werden. gesprochen. Diesmal gab es jedoch eine überraschende Entwicklung.

Nach dem Gespräch kündigte Abe an, die Verhandlungen über einen Friedensvertrag auf der Basis der gemeinsamen Erklärung von Russland und Japan von 1956 zu beschleunigen. In dieser Erklärung hatte die damalige Sowjetunion zugestimmt, dass zwei der vier Inseln – Shikotan und Habomai – an Japan zurückgegeben werden, sobald ein Friedensvertrag zustande kommt.

Präsident Putin hatte schon während seiner ersten Amtszeit gegenüber Japan signalisiert, dass er sich an diese Erklärung halten wolle. Die japanische Seite beharrte bisher jedoch auf der Rückgabe aller vier Inseln, die die Sowjetunion am Ende des Weltkrieges besetzt hatte, als Voraussetzung für einen Friedensvertrag. Nun gibt Japan diese Position auf.

Gesichtswahrende Lösung

Stattdessen sollen Russland und Japan nur festlegen, dass die Einigung über die zwei anderen Inseln – Etorofu und Kunashiri – zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen wird. Damit hat Japans Premierminister eine gesichtswahrende Lösung des Streits gefunden, weil Japan die zwei Inseln auf dem Papier nicht aufgibt, auch wenn sie faktisch bei Russland bleiben werden.

Nach dem Abschluss des Friedensvertrages hätte Japan auch kein Druckmittel gegen Russland mehr, die Souveränität über alle vier Inseln zurückzugewinnen. Allerdings dürfte die japanische Seite darauf setzen, durch großzügige Wirtschaftshilfe für die beiden Inseln und für Russland generell, gewisse Mitspracherechte für die Zukunft der Inseln zu gewinnen.

Foto: Kurileninsel Shikotan in einer Aufnahme der NASA (Wikipedia CC0)