Tokio (JAPANMARKT) – Der vorliegende Entwurf eines Brexit-Vertrags stellt japanische Unternehmen in Großbritannien nicht zufrieden. Denn das entscheidende Problem bleibt.

Unsicherheit über Zölle

Laut einer Umfrage der Finanzzeitung Nikkei kritisieren solche Unternehmen vor allem, dass die Unsicherheit über künftige Zölle nicht beseitigt ist. Der Vertragsentwurf sieht zwar vor, dass die Zollunion zwischen Großbritannien und der Europäischen Union zunächst weiter besteht. Aber unklar bleibt weiter, wie sich Großbritannien den Handel mit der EU nach dem Brexit vorstellt.

Japanische Unternehmen gehören zu den größten Investoren im Vereinigten Königreich und beschäftigten dort über 50.000 Menschen. Von den britischen Inseln decken sie mit ihren Waren und Dienstleistungen den europäischen Kontinent ab. Diese Unternehmen bereiten sich auf verschiedene Art und Weise auf die Loslösung von der EU vor.

Abbau von Arbeitsplätzen

Fujitsu zum Beispiel war einmal der größte japanische Arbeitgeber in Großbritannien. Aber seit dem Brexit-Referendum sank die Zahl der Beschäftigten um 2.000 auf rund 7.800. Nun ist Nissan mit knapp 8.000 Mitarbeitern die Nummer eins. 80 Prozent der dort produzierten Fahrzeuge werden exportiert, 55 Prozent in die EU. Im September wurde der Abbau von 200 Stellen in England und der EU angekündigt.

Honda mit 6.800 GB-Mitarbeitern warnte im September vor Brexit-Verwaltungskosten von mehreren zehn Millionen Pfund. 90 Prozent der Produktion in der Autofabrik Swindon wird exportiert, 50 Prozent gehen in die USA. 75 Prozent der verbauten Komponenten kommen von außerhalb der britischen Inseln.

Fehlende Exportsicherheit

Der viertgrößte japanische Arbeitgeber mit 6.740 Jobs ist das Handelshaus Itochu. Die Japaner besitzen die Autowerkstattkette Kwik-Fit und den Textilzulieferer Clothing. Hitachi mit 4.400 GB-Mitarbeitern hat 2017 einen Ableger in den Niederlanden gegründet. Die größte Sorge von Hitachi besteht darin, dass die britische Waggonfabrik nicht mehr in die EU exportieren könnte.

Weitere große japanische Unternehmen in Großbritannien sind die Werbeagentur Dentsu (3.800 Mitarbeiter), Sony (3.700), Ricoh (3.500), Toyota (3.300) und Mitsubishi Corp. (3.200). Überall fallen Extrakosten durch den Brexit an. So gab der Pharmahersteller Eisai 10 Millionen Pfund aus, um Lizenzrechte nach Deutschland zu verlegen und Arzneimittelvorräte anzulegen.

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