Tokio (JAPANMARKT) – Japans Stromversorger halten an der Kohle fest. Das ist nicht gut für die Umwelt, aber die Sachzwänge sind groß.

Gegen den Trend

Während der Rest der Welt von Deutschland bis China langsam aber sicher aus der Kohle aussteigt, sind in Japan laut der Finanzzeitung Nikkei derzeit mehr als 30 neue Kohlekraftwerke geplant oder bereits im Bau. Mit dieser Energiepolitik steht Japan in der G7-Gruppe der Industrienationen ganz allein.

Der Hauptgrund dafür ist die Energiekrise nach der Fukushima-Katastrophe. Der Anteil der fossilen Energieträger bei der Stromerzeugung stieg laut Daten des japanischen Industrieministeriums von 65 Prozent im Jahr 2010 auf 84 Prozent im Jahr 2016. Dabei wird Kohle als preisgünstiger und leicht verfügbarer Brennstoff gewählt.

Eigentlich will Japan die Bedeutung der Kohle für die Stromgewinnung verringern. Laut dem offiziellen Energieplan für 2030 soll der Kohleanteil im Strommix von 32 Prozent in 2016 auf 26 Prozent sinken. Aber dafür müsste der Anteil der erneuerbaren Energien von 15 Prozent auf 22 bis 24 Prozent zunehmen.

Zu wenig Atomstrom

Ebenso wichtig wäre mehr Atomstrom, um die Kohlequote zu senken. Doch hier sind die Aussichten nicht gut. Aktuell laufen nur neun Meiler. In fünf Jahren werden nach einer Studie der Nachrichtenagentur Reuters erst 15 von 34 nutzbaren Reaktoren Strom liefern. Das ist nur jede vierte der 54 Anlagen, die vor Fukushima arbeiteten. Zugleich werden 20 Einheiten stillgelegt.

Daher müssen die Stromversorger auch künftig enorme Summen für Ersatzstrom aus fossilen Quellen aufwenden, um die abgeschalteten Reaktoren zu ersetzen. Die ursprüngliche Hoffnung, diese Energieimporte schnell wieder durch Atomstrom zu ersetzen, wird sich also noch sehr lange nicht erfüllen. Kohle bleibt dabei die erste Wahl der Stromproduzenten.

Foto: Kohlekraftwerk Tsuruga (flickr/Joel Abroad CC BY-NC-SA 2.0)