Tokio (JAPANMARKT) – Japans Minisupermärkte und Restaurants treiben die Automatisierung voran. Das soll die Produktivität steigern und den Arbeitskräftemangel lindern.

Reis aus der Maschine

Schon immer waren die Konbini – so das japanische Kürzel für die englische Bezeichnung convenience store – die Vorreiter von wichtigen ökonomischen Trends im Retail-Sektor, etwa die häufige Belieferung und der Einsatz von Geldkarten. Nun setzt eine neue Innovationswelle ein, um die niedrige Produktivität zu erhöhen.

Eine Lösung ist der Supermarkt ohne Registrierkasse. Eine vollständige Automatisierung ist teuer und erst für kleine Warenmengen möglich (JAPANMARKT berichtete). Als Zwischenlösung verbreitet sich gerade, dass die Waren von Ladenpersonal gescannt werden, aber die Kunden an einem Terminal mit Bargeld oder Kreditkarte selbst bezahlen.

Vorregistrierte Kunden

Seven-Eleven Japan will eine weitere Methode testen. Dabei werden die Kunden vorregistriert und an einer Selbstregistrierkasse anhand ihres Gesichts identifiziert. Dann scannen sie ihre Waren selbst ein. Die Abbuchung des Einkaufswertes erfolgt über ein Konto. Das System eignet sich für Geschäfte mit einem begrenzten Kundenkreis, zum Beispiel für Kioskläden auf Firmengeländen oder in Verwaltungen.

Auch in Restaurants wird stärker auf die Automatisierung von personalaufwändigen Aufgaben geachtet. Die erfolgreichste Maschine war bisher ein Automat, der die Reisbällchen für Sushi produzierte. Nun hat Hersteller Suzumo Machinery einen Roboter entwickelt, der die passende Reismenge für Standardgerichte herstellt.

Es dauert nur fünf Sekunden, bis die Maschine eine vorgewählte Reismenge in acht Stufen zwischen 250 und 999 Gramm herstellt. Der Reis ist bereits vorgekocht, wird warmgehalten und mit Hilfe von Dampf kurz befeuchtet und aufgewärmt. Die Fastfoodkette Yoshinoya (gebratenes Rindfleisch auf Reis) benutzt die Maschine für 1,3 Millionen Yen (10.000 Euro) bereits in 90 Prozent ihrer Restaurants.

Steigende Stundenlöhne

Die Restaurants, die besonders günstige Gerichte anbieten, kämpfen mit den steigenden Kosten von Teilzeitarbeitern. Wegen des Mangels an Personals ist der durchschnittliche Stundenlohn nach Informationen der Finanzzeitung Nikkei im September auf 1.008 Yen (7,81 Euro) auf den bisher höchsten Stand gestiegen ist. Das waren 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Bisher kommen Maschinen vor allem in Kettenrestaurants wie Fließband-Sushi (Kaitenzushi) zum Einsatz. Bei Marktführer Sushiro zum Beispiel wählen die Kunden ihren Sitzplatz an einem berührungsempfindlichen Bildschirm an der Eingangstür. Bestellt wird ebenfalls per Tablet, das Essen fährt auf einem Fließband am Tisch vorbei. Dabei dürfte es jedoch nicht bleiben. Die maschinellen Küchenhelfer werden immer nützlicher, während ihre Preise sinken.

Daher ist es nur eine Frage der Zeit, wie schnell sich diese Maschinen in den Küchen von japanischen Restaurants ausbreiten. Bereits erkennbar ist der Trend, dass die Kunden selbst mehr Arbeiten übernehmen. Bei Yoshinoya zum Beispiel werden 40 Prozent der Restaurants auf Selbstbedienung umgestellt. Die Kunden geben ihre Bestellung an einem Terminal ein und holen sich das Essen selber ab.

Foto: Typisches Gericht bei Yoshinoya (flickr/Hideya Hamano CC BY-NC-ND 2.0)