Tokio (JAPANMARKT) – Die größte Übernahme der japanischen Unternehmensgeschichte gefällt nicht jedem. Eine Gruppe von Takeda-Aktionären hofft auf eine Wende in allerletzter Minute.

Abstimmung der Aktionäre

Am Mittwoch entscheiden die Aktionäre von Japans größtem Pharmaunternehmen Takeda über die Übernahme des irischen Pharmaherstellers Shire. Am gleichen Tag stimmen auch die Anteilseigner von Shire auf einer außerordentlichen Versammlung über das Zusammengehen mit den Japanern ab.

Das Vorhaben von Takeda-Vorstandschef Christophe Weber, einem Franzosen, ist unter einigen japanischen Aktionären umstritten. Erstens kritisieren sie, dass Takeda künftig unter Nettoschulden von 5,4 Billionen Yen (41,9 Milliarden Euro) ächzt. Dadurch springt die Quote aus Nettoschulden zum Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1,8 auf 5.

„Kein Respekt für Japan“

Das zweite Gegenargument ist eher nationalistischer Natur: Nach der Übernahme besitzen die früheren Shire-Aktionäre rund die Hälfte von Takeda. Daher fürchten die Kritiker um das „Japanische“ von Takeda. „Ein Unternehmen, das den Respekt seines Heimatmarktes verloren hat, kann im Ausland nicht überleben “, meinte Kazuhisa Takeda, Ex-Verwaltungsrat von Takeda und Mitglied der Gründerfamilie.

Die Gegner des Zukaufs haben gute Argumente: So wird sich das Versprechen von Weber, die Dividende auf dem alten Niveau zu halten, nur schwer erfüllen lassen. Auch drohen hohe Abschreibungen auf den Goodwill, der bei Shire durch teure Zukäufe entstanden ist. Außerdem könnte es zu Umsatzverlusten kommen, weil es für einen wichtigen Shire-Umsatzträger inzwischen einen mächtigen Wettbewerber gibt.

Auch Kunio Takeda, der 78-jährige langjährige Präsident und Vorsitzende des Verwaltungsrates zwischen 1993 und 2009, erhob erstmals seit seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen die Stimme. „Nach sorgfältiger Bewertung komme ich zu dem Schluss, dass ich meine Unterstützung nicht anbieten kann“, sagte Takeda.

Institutionelle Anleger entscheiden

Dennoch schätzt die Gegnergruppe von mehr als 100 Anteilseignern, darunter Mitglieder der Gründerfamilie und ehemalige Manager und Angestellte, ihre Chancen als eher schlecht ein. Maximal 25 Prozent der Stimmanteile würden am Mittwoch gegen die Übernahme stimmen, meinte Shigeru Mishima, Berater der Initiative „Thinking about the Future of Takeda“.

Die Hoffnung der Zukaufgegner ruht auf institutionellen Anteilseignern in Japan, die sich am Mittwoch der Stimme enthalten sollten, weil sie als Investmentbanken an der Fusion verdienen, darunter Nomura, MUFG und SMFG. Die Befürworter der Fusion brauchen eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Eine Niederlage von Weber wäre daher eine große Überraschung.

Foto: Ex-Takeda-Direktor und Familienmitglied Kazuhisa Takeda (© FCCJ)