Tokio (JAPANMARKT) – Der Schweizer Industrieriese ABB will seine Stromnetz-Sparte verkaufen. Zwei potenzielle Interessenten kommen aus Japan.

Fokus auf Smart Grid

Kandidat Nummer eins ist Mitsubishi Electric. Ein Sprecher sagte JAPANMARKT, dass ABB um kein Verkaufsgespräch gebeten habe. Dessen ungeachtet kommt der japanische Konzern als Käufer durchaus in Frage. Die oft unterschätzte Gruppe verfügt über genügend Finanzkraft für eine Beteiligung an dem auf 10 Milliarden Dollar Wert geschätzten ABB-Stromnetzgeschäft.

Allerdings ist Mitsubishi mit großen Auslandszukäufen nicht aufgefallen und bevorzugt organisches Wachstum. Zu den Produkten der Energie- und Elektrosparte gehören Transformatoren, Steuerschaltgeräte und Netzkomponenten. Dieser Geschäftsbereich setzte zuletzt 1,2 Billionen Yen (9,3 Milliarden Euro) um, wobei die eigentliche Stromübertragung ein eher kleines Feld ist.

Deren Schwerpunkte liegen im Kraftwerksbereich und im Energiemanagement, darunter intelligente Netze (Smart Grid) für Strom aus erneuerbaren Quellen. So wurde Mitsubishi vergangene Woche mit der Steuerung des weltgrößten Energiespeichers in Hokkaido beauftragt, damit sich künftige Offshore-Windkraftparks in das regionale Netz integrieren lassen.

Technologie für Gleichstrom

Hitachi als zweiter Kandidat unterhält in Japan schon ein Gemeinschaftsunternehmen mit ABB für Hochspannungs-Gleichstrom-Systeme. Hitachi hält 51 Prozent und ABB 49 Prozent der Anteile an der Gründung von 2016. Die Schweizer liefern die technischen Komponenten und das Know-how für Design und Konstruktion. Hitachi übernimmt die Installation und die Wartung.

Das Geschäft rund um Kraftwerke und Stromübertragung ist ein Kernpfeiler der Wachstumsstrategie von Hitachi. Binnen drei Jahren sollen die Einnahmen um 60 Prozent auf 120 Milliarden Yen (1 Milliarde Franken) wachsen. Daher wäre ein Zusammengehen mit ABB ein interessanter Schritt für die Japaner.

Bei einem Umsatz von 9,4 Billionen Yen (72,9 Milliarden Euro) ist Hitachi doppelt so groß wie Mitsubishi Electric und könnte einen Milliarden-Zukauf problemlos stemmen. Der Umfang der Überschneidungen bei Stromnetzkomponenten ist schwer einzuschätzen. Technologisch wäre für Hitachi vor allem die ABB-eigene Technologie für Hochspannungs-Gleichstrom interessant.

Foto: Stromrichterstation (ABB)