Tokio (JAPANMARKT) – Die japanische Zentralbank kauft weniger Staatsanleihen. Doch dies scheint kein Signal für einen Kurswechsel in der Geldpolitik zu sein.

Handelsstreit als Gefahr

Seine Haltung hatte der Lenkungsrat der Bank of Japan bei seiner Sitzung Anfang November auch mit dem Handelskonflikt zwischen den USA und China begründet. Eine Konjunkturschwäche in China wirke sich wegen der engen Verflechtung der beiden Volkswirtschaften negativ auf das Inflationsziel von 2 Prozent aus, hieß es. Daher gingen Wertpapierkäufe und Negativzins weiter.

Der Finanzmarkt kann sich aus den widersprüchlichen Signalen der Notenbank keinen richtigen Reim machen. So hält die Zentralbank offiziell an ihren jährlichen Staatsanleihekäufen von 80 Billionen Yen (625 Milliarden Euro) fest, aber die tatsächliche Kaufsumme ist auf eine aufs Jahr hochgerechnete Summe von 40 Billionen Yen gesunken. Die Verringerung um die Hälfte interpretieren einige Analysten als Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik.

Verringerte Anleihekäufe

Doch es gibt auch andere Erklärungen: Zum einen ist knapp die Hälfte der Staatsanleihen in die Bilanz der Bank of Japan gewandert. Dadurch ist der Markt so ausgetrocknet, dass sich das Renditeziel von 0,0 Prozent für zehnjährige Staatsanleihen mit einer geringeren Erwerbssumme erreichen lässt. Zum anderen betonte die BoJ kürzlich in einem Forschungspapier, dass sich der Zinsrückgang zu mehr als 90 Prozent auf das erworbene Anleihevolumen und nicht auf die Kaufsumme zurückführen lasse.

Parallel unterstützten führende Mitglieder der Notenbank eine Fortsetzung des bisherigen Vorgehens. Nach Ansicht von Vize-Gouverneur Masazumi Wakatabe würden die Nachteile den Nutzen bisher nicht überwiegen. Falls der Weg zur Inflation schwerer würde, müsste die Geldpolitik sogar weiter gelockert werden. Dafür gebe es genug Spielraum, erklärte Wakatabe.

Wenige Tage zuvor hatte Notenbankerin Takako Masai die Bedeutung der massiven Stimulusprogramme unterstrichen. Wegen der deflationären Mentalität der Japaner stiegen die Preise trotz der guten Konjunktur nicht, meinte Masai. Daher sollte die positive Dynamik der jetzigen Geldpolitik trotz der Belastungen der Banken beibehalten werden.

Foto: Japans Notenbank hat in ganz Japan verschiedene Filialen, hier das Gebäude in Otaru/Hokkaido (Wikipedia CC BY 2.5)