Tokio (JAPANMARKT) – Jedes Jahr kürt der Tempel Kiyomizu in Kyoto das japanische Schriftzeichen (Kanji) des Jahres. Diesmal entschieden sich die Japaner für ein Zeichen, das für Katastrophen steht.

Viele Katastrophen

Von den über 193.000 Vorschlägen in diesem Jahr plädierten fast 21.000 für das Schriftzeichen „sai“ (災), das für eine Katastrophe steht. Das „Kanji des Jahres“ soll das japanische Schriftzeichen sein, das die soziale Stimmung des Jahres am besten beschreibt.

Der Grund für die Auswahl waren eine Reihe von Naturkatastrophen, die Japan im Sommer heimsuchten. Da waren eine Hitzewelle, dann sintflutartige Regenfälle mit Überschwemmungen und schließlich ein Taifun in Westjapan und im September auch noch ein schweres Erdbeben in Hokkaido.

Sie kosteten viele Menschenleben und legten die japanische Wirtschaft lahm. Der internationale Flughafen von Osaka zum Beispiel blieb wochenlang geschlossen. Aber die Teilnehmer an der Umfrage haben auch an menschengemachte Katastrophen gedacht. Dazu gehörten Diebstähle von Kryptowährungen und die Belästigungen von japanischen Athleten durch ihre Trainer.

Symbol für Jahresgefühl

Die Zeremonie zum Kanji des Jahres wiederholt sich jedes Jahr nach dem gleichen Ritual. Der buddhistische Chefpriester Seihan Mori schreibt das Zeichen bei der Jahresabschlussfeier des Tempels Kiyomizu in Überlebensgröße mit einem riesigen Kalligrafiepinsel auf traditionelles Washi-Papier.

Im vergangenen Jahr wurde das Schriftzeichen „kita“ (Norden) als Symbol des Jahres ausgewählt. Die Entscheidung ging damals auf die gestiegene internationale Spannungen durch die nordkoreanischen Atom- und Raketentests zurück. Mehrere nordkoreanische Raketen waren unangekündigt über Nordjapan geflogen.

Foto: Kiyomizu-Tempel in Kyoto (Wikipedia CC BY-SA 3.0)