Tokio (JAPANMARKT) – Beim Kauf der Stromnetz-Sparte der Schweizer ABB geht es Hitachi nicht um eine Flucht aus Japan. Vielmehr zeigt Hitachi Ambitionen, zu einem Weltkonzern zu werden.

Weltmarkt fest im Blick

Hitachi wagt den größten Zukauf ihrer langen Unternehmensgeschichte. „Unsere Evolution zu einem Weltmarktführer schreitet voran“, begründete Vorstandschef Toshiaki Higashihara die milliardenschwere Übernahme in der Schweiz. Schließlich sei die ABB-Stromnetzsparte in allen ihren Segmenten die globale Nummer eins, erklärte der Konzernführer vor Journalisten in Tokio.

Die Hitachi-Gruppe mit weit über 800 Einheiten, beim Umsatz in Japan die Nummer vier, ist außerhalb Japans für Fernseher und Elektrogeräte bekannt, aber beliefert in erster Linie Unternehmen mit Anlagen, Elektro- und Medizintechnik.

Die Wachstumshoffnungen der Japaner ruhen auf den Geschäften rings um „soziale Innovationen“. Damit sind vor allem Kraftwerke, Eisenbahnen, Elektroautos, Smart Cities und Fabrikautomatisierung gemeint.

Bau einer Energieplattform

Mit Hilfe des ABB-Stromnetzgeschäfts will Hitachi die eigenen Lösungsangebote in den fünf Bereichen Mobilität, Lebensstil, Industrie, Energie und Informationstechnik ausbauen. Dafür will man neben der bestehenden „Lumada“-Plattform für das Internet der Dinge eine neue Energieplattform aufbauen, die alle eigenen Lösungen verbindet.

Dabei geht es etwa um die Einspeisung von Solar- und Windstrom in das Stromnetz und die Zwischenspeicherung in Batterien. Dafür eigne sich die ABB-eigene Technologie des Hochspanungs-Gleichstroms besonders, sagte der Hitachi-Chef.

Die neue Energieplattform werde zusammen mit künstlicher Intelligenz und Big Data den bisherigen Geschäften über Japan hinaus einen Mehrwert verleihen.

Übernahmeziel erreicht

Das Hitachi-Kerngeschäft mit Kraftwerken und Energie kam nach einer Kalkulation der Finanzzeitung Nikkei im Geschäftsjahr 2017 (bis 31.3.18) auf Einnahmen von 451 Milliarden Yen (3,5 Milliarden Euro). Der Geschäftszweig deckt vom Atomkraftwerk bis zur Übertragung und Verteilung von Strom eine große Bandbreite ab und hängt zu mehr als 90 Prozent von Japan ab.

Mit der Übernahme wird Hitachi auf einen Schlag zu einem globalen Marktführer in diesem Bereich. Zugleich übertrifft die Gruppe durch die Übernahme ihr Ziel, den Umsatz im Energiegeschäft bis Anfang 2022 auf über 800 Milliarden Yen zu treiben.

Foto: Hitachi-Chef Toshiaki Higashihara (© Martin Fritz für JAPANMARKT)