Tokio (JAPANMARKT) – Renault-Chef Carlos Ghosn bleibt bis Neujahr in Untersuchungshaft. Ein Richter bestätigte am Sonntag den dritten Haftbefehl gegen den Ex-Nissan-Chef.

Vorwurf der Untreue

Diesmal werfen die Strafverfolger dem abgesetzten Nissan-Chef vor, das Unternehmen im Oktober 2008 für persönliche Wertpapierverluste von 1,85 Milliarden Yen (14,6 Millionen Euro) in Zusammenhang mit der Finanzkrise verantwortlich gemacht zu haben. Damals war Ghosn Chef von Vorstand und Verwaltungsrat. Die genauen Umstände blieben bisher im Nebel. Der neue Haftbefehl gilt zunächst für zehn Tage und kann um weitere zehn Tage verlängert werden.

Am Donnerstag wollte ein Bezirksgericht in Tokio Ghosns Untersuchungshaft wegen des zweiten Haftbefehls überraschend nicht mehr um weitere zehn Tage verlängern. Ein Einspruch der Strafverfolger wurde vom nächsthöheren Gericht zurückgewiesen. Dabei ging es um den Vorwurf, Ghosn habe in den Finanzberichten für die Geschäftsjahre zwischen 2015 und 2017 insgesamt 4,2 Milliarden Yen (33 Millionen Euro) an Einkommen nicht angegeben. Das verstößt gegen das Börsengesetz. Wegen des gleichen Vorwurfs für die Jahre 2010 bis 2014 wurde bereits Anklage erhoben. Dabei geht es um 5 Milliarden Yen verschwiegenes Gehalt.

Enttäuschte Hoffnung

Nach der Ablehnung der Haftverlängerung hatte der gebürtige Brasilianer mit libanesischen Wurzeln offenbar eine Freilassung auf Kaution für möglich gehalten. Erstmals gab Ghosn über seinen Anwalt Motonari Otsuru ein öffentliches Statement ab. „Die jetzigen Dinge sind nicht akzeptabel“, zitierte der Anwalt seinen Mandanten gegenüber dem TV-Sender NHK. „Ich möchte, dass meine Position gehört und meine Ehre vor Gericht wiederhergestellt wird“, habe Ghosn gesagt.

Doch mit dem dritten Haftbefehl zerstoben seine Hoffnungen. Der neue Vorwurf der Untreue könnte jedoch auf dünnem juristischem Eis stehen. Nach japanischem Recht verjährt Untreue nach sieben Jahren, in diesem Fall also 2015. Die Strafverfolger argumentieren jedoch, dass Ghosn nicht immer in Japan war, so dass die sieben Jahre nicht abgelaufen seien.

Foto: Carlos Ghosn sitzt seit 19.11. im Tokyo Detention House (Wikipedia CC BY-SA 3.0)