Tokio (JAPANMARKT) – Japans Arbeitnehmer lassen im internationalen Vergleich den meisten Urlaub verfallen. Doch das nächste Jahr soll eine kleine Wende bringen.

50 Prozent Ausfall

Die japanischen Werktätigen nehmen im Schnitt nur zehn der zwanzig bezahlten Urlaubstage, die ihnen jährlich zustehen. Diese 50 Prozent sind die niedrigste Quote von 19 Ländern. Die US-Amerikaner haben nur Anspruch auf 14 bezahlte Urlaubstage jährlich, aber nehmen immerhin zehn davon wahr. Australier nehmen immerhin 14 ihrer 20 Urlaubstage.

Am anderen Ende der Skala stehen die Länder mit vielen Urlaubstagen. Dort ist der Anteil der tatsächlich genutzten Tage wesentlich höher. Deutsche, Brasilianer und Franzosen nehmen alle 30 Tage ihres bezahlten Kontingents. Die Italiener sind zurückhaltender: Sie lassen sieben ihrer 28 Tage verfallen. Das sind Ergebnisse aus der jüngsten Expedia Vacation Deprivation Studie.

Schlechtes Gewissen

Die Japaner scheinen damit die größten Workaholics von allen Nationen sein. Allerdings zeigen ihre Motive, dass sie vielleicht doch gerne mehr Urlaubstage nähmen, fühlten sie sich nur etwas freier. 58 Prozent der Japaner in der Expedia-Umfrage sagten nämlich, sie bekämen beim Urlaubnehmen ein schlechtes Gewissen, dass sie ihre Arbeit liegen lassen.

Als häufigsten Grund für den Urlaubsverzicht nannten japanische Arbeitnehmer den Personalmangel in ihrem Unternehmen. Das am zweithäufigsten genannte Motiv war, die übrigen Tage als Notfallreserve zu benutzen. Außerdem sagten 43 Prozent, ihre Vorgesetzten unterstützten sie nicht in ihren Urlaubswünschen.

Im Jahr 2019 könnte jedoch weniger Urlaubsanspruch in Japan verfallen. Im April 2019 tritt ein neues Gesetz in Kraft, das vorschreibt, dass alle Angestellten, denen mehr als zehn Urlaubstage zustehen, mindestens fünf Tage freinehmen müssen. Außerdem wird die Goldene Woche im nächsten Jahr auf zwei Wochen verdoppelt. Damit feiert das Land den neuen Kaiser.

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