Tokio (JAPANMARKT) – Viele Japaner haben wenig Lust auf die üblichen „Bonenkai“ zum Jahresende in ihrem Betrieb oder Unternehmen. Ihr Argument ist nachvollziehbar.

Feier zum Vergessen

Bonenkai heißen die Jahresendpartys in Japan. Dabei handelt es sich um firmeninterne Gelage, die meist in Kneipen (izakaya) stattfinden, vergleichbar Weihnachtsfeiern in deutschen Betrieben und Behörden. Aber Bonenkai heißen auch die offiziellen Empfänge von Unternehmen und Institutionen zum Jahresende, die etwa als Wiederbegegnung mit Kunden oder Käufern gedacht sind.

Bonenkai heißt wörtlich „Treffen zum Vergessen des Jahres“. Damit ist weniger gemeint, dass die Teilnehmer so viel Alkohol trinken, dass sie das abgelaufene Jahr vergessen, sondern es steckt eine japanische Kulturtradition dahinter. Das abgelaufene Jahr soll „vergessen“ werden, damit man das neue Jahr ganz unbelastet beginnen kann. Das soll die Zusammenarbeit unter den Kollegen im Team stärken und womöglich angesammelten Groll überwinden.

Pflicht im Dezember

Allerdings wird dieses Ritual immer häufiger zu einer Pflichtübung – und daher von vielen Japanern auch so empfunden. Dieses Gefühl unter vielen Bonenkai-Teilnehmern wurde jetzt durch eine Umfrage des Pharma-Unternehmens Mitsubishi Tanabe bestätigt, über die vom Fernsehsender NHK berichtet wurde.

Danach würden vor allem die jüngeren Japaner solchen Partys am liebsten fernbleiben. Laut der Umfrage unter 500 Berufstätigen sagten 40 Prozent der Befragten zwischen 20 und 50 Jahren, sie würden am liebsten nicht an den Bonenkai in ihrem Betrieb teilnehmen. Laut dem NHK-Bericht empfinden sie vor allem die Hierarchien zwischen den Mitarbeitern, die auch während der Partys gelten, als anstrengend. Lieber bevorzugten sie entspannte Bonenkai mit Freunden.

Foto: Feier in einer Izakaya (flickr/Ari Helminen CC BY 2.0)