Tokio (JAPANMARKT) – Bei einem Skandal im Unternehmen tritt in Deutschland der verantwortliche Manager zurück. Japanische Manager bestrafen sich anders.

Geldstrafe statt Rücktritt

Ein Auftritt vor der Presse mit einer ausreichend langen und tiefen Verbeugung, dazu eine freiwillige Gehaltskürzung auf Zeit – so bestrafen sich japanische Manager selbst, wenn es ein peinliches Problem in ihrem Unternehmen gibt.

Das jüngste Beispiel liefert das Brokerhaus SMBC Nikko Securities. Ein früherer Mitarbeiter wurde wegen des Verdachts auf Insiderhandel verhaftet. Er soll Informationen über einen Zukauf weitergegeben haben. Deswegen verzichten Chairman Tetsuya Kubo und CEO Yoshihiko Shimizu für zwei Monate auf ein Fünftel ihres Gehalts und zwei weitere Manager auf fünf bis zehn Prozent.

Wie immer ist der Schritt mit einer Entschuldigung an Kunden und Geschäftspartner für die Unannehmlichkeiten verbunden, wie die Finanzgruppe Sumitomo Mitsui am Mittwoch mitteilte. Man werde alle notwendigen Schritte unternehmen, um das Vertrauen wiederherzustellen. Auf diese Weise wird ein direkter Rücktritt vermieden. Allerdings werden die verantwortlichen Manager manchmal bei regulären Drehungen des Personalkarussells abgesetzt.

Gehaltsverzicht als rituelle Geste

Solche Fälle häuften sich zuletzt: Im November verzichtete Akira Kiyota, Vorstandschef der Japan Exchange Group (JPX) und Betreiber der Börsen in Tokio und Osaka, für drei Monate „freiwillig“ auf 30 Prozent seines Gehalts. Er hatte entgegen internen Vorschriften in einen Infrastrukturfonds investiert.

Bei Japan Airlines bereitete ein Pilot, der betrunken zum Dienst erschienen war und deswegen aus dem Verkehr gezogen wurde, Unternehmenschef Yuji Akasaka im November einen kleinen Entzug im Portemonnaie. Akasaka kasteite sich selbst durch eine Gehaltskürzung um 20 Prozent für drei Monate.

Andere Beispiele für dieses spezielle japanisches Bestrafungsritual in den letzten Monaten lieferten Mitsubishi Materials (zehn Prozent Abzug für den Monat Oktober für mehrere Manager) und Chiyoda Corp. (50 Prozent Abzug für fünf Monate für Chairman und CEO).

Foto: Hauptstadt Tokio mit Fuji im Hintergrund (Pxhere CC0)