Tokio (JAPANMARKT) – Die Schließungen von alternden Nuklearforschungsanlagen kommen Japans Steuerzahler teuer zu stehen. Jetzt gibt es eine erste Schätzung.

15 Milliarden Euro

Japans Atomenergieagentur (JAE) rechnet mit Kosten von 1,9 Billionen Yen (15,1 Milliarden Euro) über die nächsten siebzig Jahre, um 79 ihrer Nukleareinrichtungen stillzulegen. Dazu gehören mehrere Forschungsreaktoren. Insgesamt besitzt die Behörde 89 Anlagen. Auf den ersten Blick sieht die Schätzung günstig aus: Im jährlichen Durchschnitt würden nur 216 Millionen Euro fällig.

Doch die Hälfte der 79 Anlagen muss bereits in den nächsten zehn Jahren schließen, weil sie die nach der Atomkatastrophe von Fukushima verschärften Sicherheitsanforderungen entweder nicht erfüllen oder ihre Nachrüstung sich nicht rechnet. Außerdem enthält die Schätzung keine Ausgaben für Wartung und Ersatz von gealterten Geräten.

Unbekannte Lagerkosten

Die größten Kosten verursacht die Stilllegung der Wiederaufbereitungsanlage für verbrauchte Brennstäbe in der Stadt Tokai in der Präfektur Ibaraki nördlich von Tokio. Dafür werden 770 Milliarden Yen (6,1 Milliarden Euro) fällig. 150 Milliarden Euro (1,2 Milliarden Euro) kostet der Abbau des Versuchsreaktors Monju. Dabei handelt es sich um den Prototyp eines Schnellen Brüters.

Die Kostenschätzung berücksichtigt auch die Zwischen- und Endlagerung der radioaktiven Abfälle aus den Stilllegungen nicht. Das anfallende Volumen schätzt die Behörde auf 100 Kiloliter hochradioaktive Abfälle und bis zu 114.000 Kiloliter schwachradioaktiver Abfälle. Bisher werden diese Abfälle auf dem Gelände der Anlagen gelagert, weil es in Japan keine einzige Deponie gibt.

Foto: Eingang zur JAEA in Tokai (Wikipedia CC BY 2.0)