Tokio (JAPANMARKT) – In Japan wächst die Sorge, dass Südkorea sich in Richtung Nordkorea und China entfernt. Für die Beziehungskrise gibt es auch einen wirtschaftlichen Grund.

Streit um Leitradar

Hat ein südkoreanisches Kriegsschiff sein Feuerleitradar auf ein japanisches Patrouillenflugzeug gerichtet oder nicht? Darüber streiten Japan und Südkorea nun bereits seit rund drei Wochen. Nachdem sich Beamte in Videokonferenzen nicht einig werden konnten, untermauerten beide Seiten ihren Standpunkt mit Videos.

Der Streit könnte damit zusammenhängen, dass alte historische Wunden wieder aufgegangen sind. Ende Oktober verurteilte ein südkoreanisches Gericht Japans größten Stahlhersteller Nippon Steel dazu, vier koreanischen Ex-Zwangsarbeitern jeweils 77.000 Euro an Löhnen und als Schmerzensgeld für Ausbeutung zu zahlen.

Konflikt um Zwangsarbeit

Ende November erging ein ähnliches Urteil gegen das Unternehmen Mitsubishi Materials. Vergangene Woche haben die Kläger gegen Nippon Steel den Antrag gestellt, dass Vermögenswerte des Unternehmens beschlagnahmt werden, damit sie an ihr Geld kommen. Darauf forderte Japan Südkorea auf, dies zu verhindern.

Auch der alte Streit um die sogenannten „Trostfrauen“ ist wiederaufgeflammt. Gemeint sind Tausende von Südkoreanerinnen, die in Bordellen der japanischen Armee zur Prostitution gezwungen wurden. Vor drei Jahren hatte Japan umgerechnet acht Millionen Euro an eine staatliche Stiftung für die Trostfrauen in Südkorea bezahlt.

Im Gegenzug verpflichtete sich Südkorea, Japan wegen der Trostfrauen keine historischen Vorwürfe mehr zu machen. Aber Südkoreas Präsident Moon Jae-in will die Stiftung wieder auflösen, weil die wenigen noch lebenden Frauen das politische Geschäft mit Japan abgelehnt haben. Damit droht dieser uralte Streit wiederaufzuflammen.

Weniger Handel

In diesen Veränderungen in Südkorea sehen japanische Experten verschiedene Faktoren am Werk. Professor Kan Kimura von der Universität Kobe meint, Südkorea sei weniger abhängig von Japan geworden. Der japanische Anteil am Handel mit Japan sei von 40 Prozent auf sieben Prozent geschrumpft und die südkoreanischen Militärausgaben hätten japanisches Niveau erreicht, so Kimura. Dadurch hätte Südkorea das Interesse an Japan verloren, daher gebe es keine konsistente Politik.

Der frühere Botschafter Japans in Südkorea, Masatoshi Muto, kritisierte Südkoreas Regierung dafür, die Gerichte in Sachen Zwangsarbeit gewähren zu lassen. Dabei sei die Entschädigungsfrage bei der Normalisierung der Beziehungen 1965 abschließend geregelt worden. Die jüngsten Aktionen gegen Japan seien rein stimmungsgetrieben, meinte der frühere Diplomat, zumal viele Richter linksgerichtet denken würden.

Foto: Seoul (Pixabay CC0)