Tokio (JAPANMARKT) – Japans Premierminister Shinzo Abe hat sich in London für den Brexit-Deal seiner britischen Amtskollegin Theresa May eingesetzt. Sein Appell ist bemerkenswert.

Solidarität mit Frau May

Als einziger ausländischer Staatschef hat sich Abe die Mühe gemacht, nach London zu fahren und sich vor der Parlamentsabstimmung am 15. Januar über einen relativ weichen Brexit-Deal mit der Europäischen Union hinter May zu stellen. Die ganze Welt wolle keinen Brexit ohne Vertrag, erklärte Abe bei einer Pressekonferenz.

Ihre Forderung nach einem weichen Brexit erheben die Japaner bereits seit dem Referendum im Juni 2016 sehr deutlich. Das ist bemerkenswert, weil die japanische Diplomatie normalerweise nicht die lauten Töne bevorzugt. Doch diesmal haben die Japaner gleich zwei Gründe, sich so eindeutig zu positionieren. Erstens betrifft der Brexit rund 1.000 japanische Unternehmen in Großbritannien, die dort für 150.000 Arbeitsplätze sorgen.

Zweitens gibt es einen emotionalen Grund. Japanische Unternehmen zögern lange, bevor sie eine Geschäftsbeziehung eingehen. Danach hält diese Beziehung im Prinzip für immer. Großbritannien lockte ausländische Investoren mit dem Werbespruch an, man sei das Tor zu Europa. Darauf haben die Japaner vertraut und sind in Scharen gekommen. Jetzt fühlen sie sich von ihrem Ex-Partner betrogen und im Stich gelassen.

Eingeschränkter Umzug

Zwar haben einige Unternehmen mit den Füßen abgestimmt und wollen ihre Europa-Zentralen auf den „Kontinent“ verlegen. Dazu gehören die Investmentbanken Daiwa und Nomura, die beide nach Frankfurt gehen. Aber die japanischen Autobauer besitzen diese Freiheit nicht und wären einem harten Brexit auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Dabei geht es nicht nur um den Export auf den Kontinent, sondern auch um den Import der Teile für die Autos aus der Europäischen Union.

Premier Abe zeigte seinen Ärger über das Brexit-Chaos bei dem Treffen mit Frau May in ihrem Amtssitz in Downing Street nicht. Stattdessen warb er für einen bilateralen Handelsvertrag zwischen Japan und Großbritannien und den Beitritt von Großbritannien zur Transpazifischen Partnerschaft, dem Pazifikanrainer-Freihandelsabkommen, das unter maßgeblicher Führung von Japan soeben in Kraft getreten ist. Doch Verhandlungen wären erst nach einem Brexit möglich, egal ob er hart oder weich wird.

Foto: Shinzo Abe und Theresa May bei der Pressekonferenz (Kantei via Youtube)