Tokio (JAPANMARKT) – Nach dem Rekord im Vorjahr dürfte die Welle an japanischen Auslandszukäufen 2019 weitergehen. Dafür sprechen verschiedene Faktoren.

Appetit auf Zukäufe

Japanische Unternehmen haben laut Bloomberg-Daten im abgelaufenen Jahr mehr als 1.000 ausländische Unternehmen gekauft und dafür 191 Milliarden Dollar ausgegeben. Der neue M&A-Rekord ist auch auf die Mega-Übernahme des irischen Pharmaherstellers Shire durch Japans Branchenführer Takeda zurückzuführen.

Analysten zufolge wird der Appetit von japanischen Unternehmen auf ausländische Unternehmen und Vermögenswerte auch in diesem Jahr anhalten. Dafür sprechen die Barmittel der Unternehmen, die von 690 Milliarden Dollar im Jahr 2015 auf 892 Milliarden Dollar angewachsen sind.

Einfluss der Aktionäre

Anders als in der Vergangenheit mögen die heutigen Aktionäre von japanischen Unternehmen das Horten von Bargeld jedoch nicht. Toshiba zum Beispiel sah sich genötigt, zehn Milliarden Dollar aus dem Verkauf der Speicherchipsparte über einen Aktienrückkauf auszuschütten. Wollen die Unternehmen so etwas nicht, müssen sie ihr Bargeld für Zukäufe im Ausland verwenden.

Dabei sorgt der stärkere Einfluss der Aktionäre auch dafür, dass die Kaufpreise nicht so überzogen hoch ausfallen, wie es früher oft geschehen ist. Laut Bloomberg-Daten ist die durchschnittliche Prämie von 23 Prozent auf den Marktwert der übernommenen Unternehmen auf den niedrigsten Stand seit mehr als fünf Jahren gesunken.

Dritte M&A-Welle

Derzeit läuft die dritte Welle an japanischen Auslandszukäufen seit dem Weltkrieg. Dabei handelt es sich zum einen um eine Globalisierung als Reaktion auf den stagnierenden und schrumpfenden Heimatmarkt. Zum anderen geht es um den schnellen Erwerb von Innovationen und Portfolio-Ergänzungen für mehr Wettbewerbsfähigkeit.

Die erste Welle erlebte die Welt in den achtziger Jahren. Damals fühlten sich viele japanische Unternehmen im Zuge der Spekulationsblase mit Aktien und Immobilien sehr reich und gingen auf Einkaufstour. Die zweite Welle lief im Zuge der Tech-Blase um die Jahrtausendwende. In beiden Fällen erlitten viele Käufer hohe Wertverluste der übernommenen Unternehmen.

Dieses Risiko gingen japanische Unternehmen auch in den Vorjahren ein, als die Unternehmensbewertungen auf immer neue Rekordwerte kletterten. Dieses Verlustrisiko könnte nun wegen der schwächeren Börsen kleiner werden. Umgekehrt gedacht machen fallende Kurse Zukäufe sogar lukrativer. Auch dieser Faktor spricht dafür, dass die Übernahmewelle in diesem Jahr weiterrollt.

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